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Der Morgen · 1936-05-01 · Heft 2 (Mai 1936) · p. 63

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 2 (Mai 1936)
Article
Die Menschen und das Gesetz
Date
1936-05-01
Page
63 (sequence 6)
Language
German
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Ulrich Steuer: Seelsorge — heute kann ihm, anders als der katholische Priester, nicht im Namen Gottes sagen: „Ego absolvo te a peccatis tuis." Deshalb ist der Jude aber nicht verlassen. Der Rabbiner wird ihm sagen, daß der Kampf des sündigen Menschen um seine Erlösung sich im Judentum nicht zwischen dem Juden und irgendeinem Menschen abspielt, sondern zwischen dem Juden und Gott- Er sorgt für die Seele des Juden, wenn er ihm die großartige Wahrheit erneuert und einprägt, die Rabbi Akiba ausgesprochen hat und die in der Mischna den Abschnitt vom Versöhnungstag, den Traktat Joma, krönt (8, 9): „Heil euch, Israel! Vor wem reinigt ihr euch und wer macht euch rein? Euer Vater im Himmel'/' Max Eschelbacher Der Jagendrabbiner Das äußere Geschehen am und im deutschen Judentum bewirkt ganz selbstverständlich auch eine seelische Wandlung. Wir erleben sie in der jüdischen Lebenshaltung unserer Gemeinden und der Menschen in ihnen. Nirgends aber tritt sie so deutlich hervor wie am geistigen Repräsentanten der Gemeinde, dem Rabbiner. Er unterscheidet sich grundsätzlich von dem Typ des alten Raw. Dennoch wird nur dort echtes Rabbinat vorhanden sein, wo bei aller Unterschiedenheit eine starke Beziehung zu den Rabbinertypen aller Zeiten sichtbar wird. Auch der besondere neue Typ des Rabbiners, den diese Zeit hervorgebracht hat, der Jugendrabbiner, wird zunächst an diesen Beziehungen zu messen sein. Denn Jugendrabbiner kann nur sein, wer nach Befähigung und wissenschaftlicher wie allgemeiner Ausbildung auch sonst Rabbiner sein könnte, oder besser: wer auch sonst Rabbiner ist. Die Abzweigung eines besonderen Jugendrabbinats, diese Beraubung des allgemeinen Rabbinats um eine seiner wichtigsten Funktionen, ist zu erklären aus der ungeheuren Anhäufung von Aufgaben, die der Rabbiner heute zu bewältigen hat. Es gilt, auch aus dieser Not eine Tugend zu machen, der Jugend einen Rabbiner zu geben, der ihr helfen kann, weil er selbst jung ist. Immer aber muß die persönliche, in Kameradschaft erstehende Autorität des jungen Rabbiners gestützt sein auf die sachliche seines Amtes. Denn die Verbindung zwischen Rabbiner und Gemeinde ist von grundsätzlich anderer Art als in der Kirche. Der christliche Priester gilt als Mittler der Seele zu Gott, der Rabbiner ist Führer zu der göttlichen Lehre. So liegt eigentlich „Seelsorge" schon im Amte des christlichen Priesters begründet, während alles Rabbinat seine Autorität aus seinem Wissen um die Dinge der göttlichen Lehre schöpft. Im rechten Miteinander des Lernens und des Betens aber erwächst ein Miteinander des Lebens zwischen 63

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