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Der Morgen · 1936-05-01 · Heft 2 (Mai 1936) · p. 50

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 2 (Mai 1936)
Article
Sorgen um Palästina
Date
1936-05-01
Page
50 (sequence 2)
Language
German
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Sorgen um Palästina vielmehr, daß das arabische Volk, dessen einzelne Glieder sich als Nutznießer des jüdischen Aufbaus fühlen, in seiner Gesamtheit sich mit gewaltiger Kraftanstrengung gegen den Aufbau auflehnt, — diese Tatsache beweist, daß in dieser Auseinandersetzung nationale Energien am Werk sind, deren Quellen nicht nur in Palästina fließen. Der Ausgang der Kraftprobe im palästinensischen Raum ist ganz gewiß nicht bedeutungslos; aber er ist nur der Teil eines Machtkampfes, der mit den Dimensionen von Großstaaten und Kontinenten zu rechnen hat. So findet sich der Jude in dem einzigen schmalen Landstrich, den er in tiefem Sinne sich zugehörig glaubt, wiederum in einem Hexenkessel politischer Leidenschaften vor. Er hat im Wandel der Jahrhunderte erlebt, daß immer wieder Länder, in denen er seßhaft geworden war, seine Heimatliebe von sich wiesen. Ganz besonders in den letzten Jahren ist sein Vertrauen auf Sicherheit überall wankend geworden, und man sah in der Erschütterung nur noch einen Schein der Zuversicht, einen festen Punkt: Palästina. Über der Hoffnung, an einem Flecke der Welt im eigenen Hause zu sitzen und sich so zu „normalisieren", übersah man die höchst „anormalen" Pfeiler, auf denen dieses Haus gebaut ist. Man täuschte sich darüber, daß die Abhängigkeit von fremder Macht, dieses Kennzeichen jüdischen wie jedes anderen Diasporadaseins, auch in Palästina bestehen blieb. Zwar ist es eine Abhängigkeit, in deren Schatten ein grundsätzlich anderes, volleres, selbständigeres jüdisches Leben gedeiht als in den Ländern der Zerstreuung. Aber auch dieses Leben steht politisch nicht unter eigenem Gesetz und nicht unter autonomer Entwicklung. Bei vielen ist nun erst die Einsicht in die Abhängigkeit von den Bajonetten der englischen Polizei, die ihrerseits nur Schachfiguren im Spiel ganz anderer Kräfte darstellen, als Bodensatz enttäuschter Hoffnung und geborstener Illusionen übrig geblieben. Es darf kein Zweifel daran aufkommen, daß über Trümmer und Trauer hinweg das Werk fortgeführt werden wird. Man braucht das Geschehene in seinen Ursachen und möglichen Aus- 50

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