Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1936)
- Article
- Sorgen um Palästina
- Date
- 1936-05-01
- Page
- 49 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895552-2895555-2906007--08793-2906047- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DER MORGEN / MONATSSCHRIFT DER DEUTSCHEN JUDEN BEGRÜNDET VON PROFESSOR DR. JULIUS GOLDSTEIN, DARMSTADT 12. JAHRGANG MAI 1936 HEFT 2 Sorgen am Palästina Die Augen der Juden in allen Teilen der Welt richten sich in diesen Tagen nach Palästina. Aber es ist nicht mehr die Freude des Schaffens, die in ihnen glänzt, und nicht das Glück des Gelingens; sondern die Augen sind unischattet von Sorgen und vom Bewußtsein drohenden Geschicks. Die Unruhen zwischen Arabern und Juden, die da scheinbar plötzlich, in Wirklichkeit als Entzündung schon lange unsichtbar schwelender Brandherde ausgebrochen sind, hat die jüdische Presse aller Richtungen in ihren Einzelheiten geschildert. Sie hat erkennen lassen, daß in Wirrwarr und Übergängen drei Etappen des Geschehens sich bisher deutlich voneinander abhoben: auf Straßenkämpfe und Demonstrationen folgten Tage zunehmender Beruhigung, in denen schon ein Aufatmen spürbar wurde. Aber in diesen Tagen trugen die Araber die Generalstreikparole von Ort zu Ort und von Betrieb zu Betrieb. Und so folgte ein dritter Abschnitt erbitterten Ringens, in dem Kampfmittel der Wirtschaft und des Terrors zugleich systematisch eingesetzt wurden für die Ziele der Politik. Denn die Araber versuchen mit der Stillegung der Arbeit und mit ihren systematischen Gewaltakten nicht mehr und nicht weniger durchzusetzen als die Drosselung der jüdischen Einwanderung überhaupt: sie verlangen von England das Ende der Politik, die mit der Balfour-Deklaration ihren Anfang nahm. Die Lage ist ernst. Man tut ihr nicht Genüge, wenn man auf die Kampfsituation als solche hinweist, hier ein Abbröckeln der Streikstimmung und da die Wiederherstellung der normalen Ruhelage feststellt. Denn so wahr die Beilegung des gegenwärtigen Aufruhrs nur eine Frage von Tagen sein kann, so wahr ist mit dieser Beilegung der Kampfherd nicht beseitigt. Die Tatsache 49