Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 1 (April 1936)
- Article
- Hebräische Lektüre: Lesen, Lernen, Beten [Rezension]
- Date
- 1936-04-01
- Page
- 46 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Buch ein verfrühter Purimscherz sein, oder der Verfasser wollte die „Sokratische Methode" nachahmen, so wie sie Reuters Schaulmeister Rosengräun verstand — wir wissen es nicht genau. Besser als jedes Werturteil werden einige Beispiele das Büchlein kennzeichnen. Also: das Wort „omed" (stehend) soll man sich an dem goethischen „O Mädchen, mein Mädchen" merken; „atta" (Du; im Hebr. übrigens mit einem Daggesch, doch daran „darf man sich nicht stoßen", S. 13) an Atta Troll; „ezel" (neben, bei) an dem Hunnenkönig Etzel und „ki" (denn, daß) an denSeleukiden. Ich sage übrigens gewöhnlich Attila und Seleuziden.— aber das ist natürlich mein Pech! Daran „dürfen wir uns nicht stoßen" (S. 8). Die schweren ersten Vokabeln der zweiten Lektion heißen kafe, te, ssuckar (Kaffee, Tee, Zucker): „Neuhebräisch — altbekannt." Vielleicht hätte man das Buch verschweigen sollen, doch dann käme ein Unwissender in die Gefahr, es zu benutzen. Nur deshalb erwähnen wir es, und der Leser obiger Beispiele mag sich selbst sein Urteil bilden. Von dem „abenteuerlichen Buche" der Haggada, welches „eine seltsame Mischung ist von Sagen der Vorfahren, Wundergeschichten aus Ägypten, kuriosen Erzählungen, Streitfragen, Gebeten und Festliedern", von diesem mit Erinnerungen behafteten Buche erhalten wir — noch kurz vor Pessach — eine im ersten Augenblick ungewohnt nüchtern wirkende Ausgabe, die aber durch ihren reichen Inhalt besonders anregt5). Dem Text, 5) Die Pessach-Haggada. Herausg. der mit einem kleinen gelehrten Apparat von Varianten geboten wird (dem Laien stören sie nicht, und dem wissenschaftlichen Leser sind sie willkommen), gehen Einleitungen über die Haggada, ihre Geschichte, über den Sederabend, seine Einrichtung und seine Bräuche voraus. Keine genaue fortlaufende Übersetzung begleitet ihn, sondern ausführliche Erklärungen, die — nach der Vorschrift des Sederabends — die einzelnen Sätze verständlich zu machen suchen. Nur die Psalmen, einige Segenssprüche und das Tischgebet sind in der Übertragung von Martin Buber,, die, in ihrer Schlichtheit oft erschreckend, das Wesen der hebräischen und der deutschen Sprache unfaßbar schön trifft, eingefügt. Für den täglichen und wöchentlichen Gebrauch hat der vor wenigen Tagen verstorbene Berliner Lehrer Hermann Falkenberg ein Gebetbuch neu herausgegeben6). Auch hier führen Einleitungen in die Geschichte und die einzelnen Teile des Gebetbuches ein. Die Übersetzungen sind klar und einfach; die Zusammenstellung in voller Verantwortung dem überlieferten Stoff gegenüber in ernster Erwägung vorgenommen. Bei beiden Büchern ist noch der deutliche Satz und die einfache schöne Ausstattung hervorzuheben. Fritz Aronstein. u. erklärt von E. D. Goldschmidt. Berlin 1936 (Schocken - Bücherei Nr. 54). 6) Abendgebete für Sabbat und Festtage. Gebetbuch der liberalen Synagoge. Berlin 1935. 46