Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 1 (April 1936)
- Article
- Mizwa und Geschäft
- Date
- 1936-04-01
- Page
- 33 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mizwa und Geschäft sprechen, von der, die sich aus dem Kreis, den Himmel und Erde einstmals um sie schlössen, herauswagte, die weiterschritt, um von dem bunten Leben mehr zu erfahren als, wie sie meinte, ihr der weise Rabbiner zu bieten vermochte. Er hatte sie das göttliche Gebot gelehrt, daß der Mann Vater und Mutter verlassen müsse, um sich mit einem Weibe zu vereinen, und er hatte für sie gewählt und bestimmt, gleichsam in Vertretung der höchsten Gewalt; das bunte Leben aber gab diesem göttlichen Gebot den Reiz des selbständigen Suchens und Findens, lenkte von ihm in die private, egoistische Sphäre ab, dorthin, wo Gefühle wachsen, zart und verschwommen und jenseits von gut und böse, wo ein Schleier der Romantik die Frau von dem Jichus der Familie trennt; es führte in die Sphäre, die kein Schadehen jemals berechnen kann, weil in ihr geseufzt, gebangt, gesehnt — geliebt wird. Das Buch der Bücher HeUme*, Sie den Beginn des 12. Jahrgangs zum Anlass, Ihren Freunden durch ein Jahres - Abonnement des »Morgen« Freude und Anregung zu geben. Wir haben einen künstlerisch ausgestatteten Geschenk-Gutschein herstellen lassen. Das Abonnement kostet bei Vorauszahlung RM 10,80. Einbanddecken für den IL Jahrgang zum Preise von RM 2,25 liefert der Verlag. Das Inhaltsverzeichnis liegt dem Aprilhefl bei. hatte andächtig und scheu gemacht, die Wunderherrlichkeit des Hohenliedes konnte nur ein König singen. Aber die neue Welt hallte von Liedern wider, die Goethe, Mörike und Heine sangen. In die konnte man einfallen und mitsingen. Das neue Leben zeigte neue Spannungen, und je mannigfaltiger sie wurden, desto neugieriger machten sie, und desto mehr wollte man von ihnen in seinem eigenen kleinen Leben haben. Wie sollte der Schadehen da Schritt halten mit den immer wachsenden Forderungen der Jugend, wo es bisher immer sein höchstes Ziel war, möglichst glatt und einfach, spannungslos und unkompliziert die Formel einer Ehe auf einen Nenner zu bringen? Wo er früher nach menschlichem Ermessen und mit dem besten Gewissen der Welt berechnen konnte, daß sich dieses junge Mädchen mit diesem jungen Mann glänzend werde verstehen müssen, weil das Leben innerhalb des Kreises, den der Himmel auf die Erde zeichnet, in seiner Stetigkeit auch eine gewisse Stetigkeit der Ehe, ihren gottgefälligen Verlauf gewährleistete. Die Menschen waren zwar nicht primitiver, gefühlsärmer oder weniger innig, nein, auch damals und zu allen Zeiten war das jüdische Herz reich an Farben in allen Scharst