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Der Morgen · 1936-04-01 · Heft 1 (April 1936) · p. 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 1 (April 1936)
Article
Jüdische Gegenwart und hellenistisches Erbe
Date
1936-04-01
Page
31 (sequence 8)
Language
German
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Gusti Hecht: Miztva und Geschäft übergeschichtlichen Sinn der geschichtlichen Eigenart des israelitischen Gott Erlebens und seiner Kampfhaltung gegenüber jeder Vielgötterei nicht allzu leicht zu machen. Die in Erscheinungen wie Marc Aurel und wie Aischylos zutage tretende Fähigkeit des griechischen Götterglaubens, sich mit höchstem sittlichen Gehalt zu erfüllen, wird uns gegenüber allen Versuchen, den Monotheismus der Bibel als Postulat einer allgemeingültigen Ethik zu erweisen, eine gewisse Skepsis nahelegen, und zo solcher Skepsis drängt uns auch gebieterisch alles hin, was wir heute über die Religionsgeschichte fremder Kulturkreise, namentlich des indischen und des ostasiatischen wissen. Sehen wir uns doch auch dort auf Schritt und Tritt Erscheinungen gegenüber, die sich den Maßstäben unserer eigenen religiösen Überlieferung durchaus entziehen, die aber dennoch eine untrügliche Ahnung uns als Ausdruck desselben göttlichen Geistes aufzunehmen rät, der auch aus der Bibel zu uns spricht. Von solcher Ahnung emporzusteigen zu verstehendem Wissen um das Eine in der wesensnotwendigen Aufspaltung und Vielgesichtigkeit des Offenbarwerdens Gottes in der Geschichte, ist vielleicht eine Aufgabe, die in unserem Zeitalter des großen Einanderbegegnens aller geschichtlichen Religionen das alte jüdische Gebot, Gott als den Einen und Einzigen zu lieben, mit einem neuen Sinn erfüllt. Gusti Hecht: Mizwa und Geschäft Die Bataillone der Witze, die gegen die jüdische Sitte der Ehevermittlung Attacke reiten, sind nicht immer gutartig und sanft. Sie haben es mit Schärfe und Pfeffer zuwege gebracht, dem „Schadehen" eine Rolle zuzuschanzen, die mit seiner ursprünglichen nur wenig gemeinsam hat, oder besser, die seiner ehemaligen Rolle ein schäbig zusammengeflicktes Mäntelchen aus Geschäftstüchtigkeit und Lächerlichkeit umhängt. Denn ehemals waren die Schadehen Männer und Frauen, die in der Ehestiftung eine gottgewollte fromme Tat sahen, eine Mizwa; sie nahmen höchstens ein Geschenk der Dankbarkeit dafür. Sie besaßen einen großen Bekanntenkreis und eine noch größere Menschenkenntnis; was lag also näher, als beides in den Dienst der guten Sache, in den Dienst der Ehe, zu stellen? Man überlege, welch bedeutsames Fundament Ehe und Familie dem jüdischen Volk, seinem Glauben und seinem Fortbestehen geben; da kann es nicht wundernehmen, wenn besonders oft der frömmste und höchste Mann der Gemeinde, der, zu dem man das größte Vertrauen hat, wenn also der Rabbiner dieses schwierige und verantwortliche Amt übernahm. 31

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