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Der Morgen · 1936-04-01 · Heft 1 (April 1936) · p. 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 1 (April 1936)
Article
Wunsch nach Tomaten
Date
1936-04-01
Page
21 (sequence 1)
Language
German
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M.Y.benGavrieI: WtUlSCtl tldCh Tomaten Abed, Sohn eines Stammlosen, der einmal von einem auf eigene Faust unternommenen Raubzug nicht mehr heimgekommen war, stand in der Stadt. Klein, zerlumpt und abgerissen, das niegewaschene Sonnentuch statt mit einem Agal mit einem Strick um den Kopf gebunden, blinzelte er, mit Hunger angefüllt bis zu den Fingerspitzen, in die Sonne. Zum erstenmal in einer Stadt. Millionen von Dingen um ihn, die er nicht verstand. Wagen mit Rädern ohne Pferde, Menschen in merkwürdigen Kleidern und ohne Waffen, Zelte aus Stein, Frauen ohne Tätowierung, Männer ohne Schläfenlocken, aber mit Schuhen an den Füßen. Und Brot in den Geschäften, in jedem einzelnen mehr Brot, als er in seinem ganzen Leben gegessen hatte. Fassungslos ging er die breite Straße hinab, richtungslos, ohne Ziel. Vor einem besonders großen Haus blieb er stehen. Schaute es offenen Mundes, aus dem der Speichel troff, an. Im Innern schien es kühl zu sein, kühler als es je ein Beduine in der Wüste an einem derartig heißen Tag erlebt hatte. Das Abenteuer erfaßte ihn mit unwiderstehlicher Gewalt. Er ging durchs Tor und stand nach ein paar Schritten vor einer Treppe. Er, Abed, Sohn des Kasim aus der großen Wüste, wußte nicht, was eine Treppe ist, aber von Entdeckungsdrang getrieben, versuchte er sie zu ersteigen. Kroch, da jede andere Art ihm gefährlich erschien, auf allen Vieren hinan, bis zum ersten Treppenabsatz. Dort setzte er sich hin und blickte von oben herab auf die Straße hinaus. Unvorstellbare Wirklichkeit! Plötzlich aber stand ein kleiner brauner Yemenite vor ihm, der Hüter des Hauses, und trieb ihn augenblicklich mit einem rasenden Wortschwall, den er nicht verstand, die Treppe hinab, durch das Tor auf die Straße zurück. Abed fand dies nach einigem Nachdenken in Ordnung, da man ein fremdes Zelt nicht so ohne weiteres betreten darf, — konnten doch die Frauen des Zeltes anwesend sein! Er ging langsam weiter, stets auf dem äußersten Rand des Gehsteigs, denn er mißtraute der Festigkeit dieser gewaltigen Steinzelte. Wie leicht konnte eines von ihnen zusammenbrechen, gerade in dem Augenblick, da er vorbeiging! Ein Zelt in der Wüste, wenn der Sturm es umwirft, beim Propheten, es deckt einen leise zu, man fühlt sich sogar geborgen — aber ein solches Zelt hier, nicht aus Kameltuch, sondern aus Steinen! Allah beschütze seine Kinder! Diese Gedanken rissen im nächsten Augenblick wieder ab, da er ein neues Wunder erlebte. An einem Haus war eine Nische, in deren Mitte ein gelbes Ding angebracht war. Ein Mann mit einem 21

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