Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 1 (April 1936)
- Article
- Drei Gedichte
- Date
- 1936-04-01
- Page
- 19 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895552-2895554-2905913--08736-2905968- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Leo Hirsch: Kommt er nickt? Alte Ecke Zeiten kamen, die sich dehnten, Die dir eingezeichnet sind; Schwanden. Kleine Fenster sehnten Langsam sich die Scheiben blind. Wand vermorscht. Die Wäscheleine Ward oft brüchig, ward oft neu. Kleine, alte Ecke, deine Seele blieb sich lange treu. Sorglich und mit müden Mienen Gehen Frauen hin und her. Arme, alte Frau'n; auf ihnen Hockt das Leben, lastet schwer. Abends wird das Leben müder, Wenn die Welt das Dunkel traf. Alte Ecke! Immer wieder Legt sie sich zu kurzem Schlaf. Nur noch Spinnen sind am Weben; Spinnen halten hier die Wacht. Ferner Wälder Berge heben Schwarze Gipfel in die Nacht. Leo Hirsch: Kommt er nicht? Die Menschengestalt und die Bauernkleider, sagte der dienende Engel, alles ist bereit. Pessach steht vor der Tür, Herr Prophet, es ist Zeit, daß Ihr wieder auf die Erde kommt! Ich gehe nicht, brummte unwillig der Prophet Elia; er hielt den Kopf zwischen seinen Händen und rührte sich in seinem Unmut nicht vom Platz. Es gibt sechzehn Millionen Juden. Vielleicht gibts dies Jahr zwei Millionen Sedertische. Auf jedem wird ein voller Becher Wein für Euch stehen. Und was für Wein! Ja, was für Wein!, rief bitter lachend der Prophet Elia. Ihr wollt doch nicht sagen, daß man Euch keinen guten Wein aufheben wird! Jeder wird Euch seinen besten einschenken. Und wenigstens hunderttausend Becher vom allerfeinsten, wenn wir 19