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Der Morgen · 1936-03-01 · Heft 12 (März 1936) · p. 567

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 12 (März 1936)
Article
Die Fahrt ins Wunderland [Rezension]
Date
1936-03-01
Page
567 (sequence 3)
Language
German
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nur von ausgewählten Erinnerungen leben würden, nämlich von den schönen, die durch das charakteristische Phänomen des Heimwehs verklärt werden, während alle unschönen Erinnerungen vergessen werden sollen; Gruppen, die den Bruch, den jede Wanderung mit sich bringt, im Grunde nicht vollziehen können, die mit einem Riesenbagger die Landschaft — ohne Menschen natürlich — an einen schönen unbesiedelten Fleck verlegen möchten. So ist es gerade nicht, wie der Verfasser es behauptet, die Wanderung der Seelen, die er schildert. Denn die Seelen bleiben im Grunde zu Hause, da das seelische Leben in der Fremde bloß von Erinnerungen genährt wird. An der harten aber wahren Realität Palästina fährt man vorbei, um in ein „Land irgendwo auf dem Balkan", wie es in der Operette immer heißt, oder nach Hawai und meinetwegen auch nach Birma (weil es am fernsten liegt, wie es verräterisch heißt) zu wandern: „Komm mit nach Varasdin, solange noch die Rosen blühn, dort ist die ganze Welt noch weiß-rot-grün" ... Da nun aber das Wunschträumen in der gegenwärtigen Situation sehr verständlich ist, wird der Roman vor allem solche Leser finden, die an Kitsch ein heimliches Interesse bekunden. Daß das Buch auf dieser Stufe steht, möge folgende Stilprobe beweisen: „Aus der Küche des von Bettina vor einigen Jahren gegründeten und ideal geführten Sanatoriums kam ein blinkendes Lacktablett, dessen erlesener Bestand dem Ruf ihres Hauses alle Ehre machte. Schon allein der alte Bordeaux ... ,Ist eigentlich nur für Rekonvaleszenten', verriet B. C, ,aber dir und der Urgroßmama Ele und deren Großmama Heindel zu Ehren ..Sie goß den hochbetagten dunklen Trank in alte, melodisch geschliffene Gläser, wir stießen an ... und versanken in Erinnerungen, älter noch als der Wein und die Gläser. Bettina kann wundervoll erzählen. Das konnte sie schon als Kind. Es ging mir ein wie der Chäteau—Margaux." Erich Rosenthal. Arabisches Die Persönlichkeit Ibn Sa'uds, des Königs der Wahabi-Staaten, der heute zu den wichtigsten und bedeutendsten der arabischen, ja vielleicht sogar der gesamtorientalischen Welt gehört, ist auch für Palästina wichtig. Nicht allein, weil seine Politik in vielleicht sehr naher Zukunft Palästina mehr als theoretisch interessieren wird, sondern besonders, weil er das großartigste Beispiel einer Religionserneuerung in unserer religionsfeindlichen Zeit darstellt. Die englische und die arabische Literatur besitzen eine große Anzahl von biographischen Darstellungen dieses heute schon fast legendären Königs, deren Wert zum Teil sehr bedeutend ist und ein sehr klares Bild dieses politischen, menschlichen und religiösen Phänomens gibt. Im kontinentalen Europa hat man sich mit Ibn Sa'ud verhältnismäßig wenig beschäftigt, denn Arabien liegt noch immer „weit hinten in der Türkei", und die Verhältnisse und die Kulturen der Halbinsel erscheinen dem europäischen Zeitungsleser im allgemeinen nicht mehr als eine Staffage romantischer Reiseromane. Tatsäch- 567

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