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Der Morgen · 1936-03-01 · Heft 12 (März 1936) · p. 560

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 12 (März 1936)
Article
Presseschau: Neues Geschichtsbewußtsein / F. F.
Date
1936-03-01
Page
560 (sequence 2)
Language
German
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zu gestalten unternimmt. Die ersten Wegbereiter aber zu dieser Gesamtanschauung vom deutschen Volk und zu einem gesamtdeutschen Geschichtsbewußtsein waren, wie sich nun einmal das Geschichtsbewußtsein der Binnendeutschen seit 1848 und seit 1871 entwickelt hat, nach dieser Auffassung die Deutschen außerhalb des Reiches. Von der „Auflösung eines überholten Geschichtsbildes" und dem Durchbruch einer „lebensgesetzlichen Haltung" in der geschichtlichen Betrachtung, die „völkisch, nordisch, nationalsozialistisch" sein soll, spricht Kurt Reiche in seinem Aufsatz „Der nordische Gedanke als geschichtliche Wirklichkeit" (Volk im Werden, 4. Jahrg., Nr. 1). Reiche wendet sich gegen die nur auf Quellen (schriftlichen Aufzeichnungen) fußende Geschichtsbetrachtung und verlangt, daß Rasse und Volk in ihrer ganzen Lebensfülle als Träger der Geschichte zur Geltung gelangen. Deutsche Geschichte soll als V o 1 ks geschichte behandelt werden, und zwar derart, daß die Einheitlichkeit ihres Ablaufes von der fernsten Vergangenheit bis zur Gegenwart durch Einbeziehung der Vorgeschichte erkenntlich werde. Im einzelnen fordert Reiche eine Hinwendung der Geschichtsbetrachtung zu dem zweiten großen Raum europäischer Geschichte: dem Ostseeraum. F.F. Der heilige Berg Im jüdischen Logenhaus zu Berlin ist das Modell eines Riesendenkmals ausgestellt. Der Urheber, Alfred Nossig, nennt es: „Der Heilige Berg, ein plastisches Symbol des Judentums". Der Vorwurf ist ungeheuer. Ein Denkmal mit mehr als zwanzig überlebensgroßen Figuren, das eine der erhabensten, erinnerungsreichsten Landschaften der Erde, den Berg Zion gestalten soll! Die Gestalten sind Propheten und Könige, Helden, Richter und Frauen der Heiligen Schrift. Der Plan fordert die höchsten Maßstäbe heraus: in gotischen Domen ist solches gewagt worden. Nicht dem äußeren Umfang nach, aber doch in der Idee: Versammlungen von Gestalten des Alten und Neuen Testaments, geordnet nach geistigen geheimen Beziehungen zur Sichtbarmachung eines göttlichen Weltplans. Was also ist der geistige Zusammenhang der Gruppen auf Nossigs Entwurf, wie ihre plastische Gestaltung? Die vorderste Gestalt ist — nach der Erläuterung — „Rahel, die Heimkehrenden und Pilger begrüßend". Sie ist dargestellt in einer unruhig hastenden Zwitterstellung von Sitzen und Aufspringen. Unruhe da, wo Sammlung sein müßte und grüßende Gebärde. „Die uralte Stamm-Mutter Israels", sagt Nossig, — nichts von dieser Würde hat er der Figur gegeben. Das Nebeneinander von David und Salomon, den Königen, in der nächsten Gruppe ist zu begreifen. Aber was soll der Hohepriester an dieser Stelle, was Boas mit der Traube? Doch auch die Gruppe der Könige hat Nossig durch einen platten, genrehaften Einfall entwertet. Er zieht sie durch das gemeinsame Betrachten des Bauplans zum Tempel in einen 560

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