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Der Morgen · 1936-03-01 · Heft 12 (März 1936) · p. 555

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 12 (März 1936)
Article
Jüdische Geschichte aus den Uranfängen des Christentums
Date
1936-03-01
Page
555 (sequence 1)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger: Jüdische Geschichte aus den Uranfängen des Christentums Zu zwei neuen Geschichtswerken*) Die beiden hervorragendsten und bewährtesten Kirchenhistoriker der Gegenwart legen die gereiften Ergebnisse jahrzehntelanger Forschungs- und Lehrtätigkeit über die ersten Anfänge des Christentums in knappen Darstellungen, in letzten Formulierungen vor. Professor Ehrhard, der fast 75jährige Prälat, macht in einem einbändigen, nicht für Gelehrte geschriebenen imposanten Werk die sehr verwickelten Fragen der christlichen Urgeschichte verständlich. Die Klarheit und Flüssigkeit des Vortrags, der nur letzte Resultate unter Beiseitelassung kirchenhistorischer und religionswissenschaftlicher Streitfragen vom katholischen Glaubensstandpunkt aus bietet, bilden die Stärke auch dieses seines neuen Geschichtswerkes. Lie tzmanns „Geschichte der Alten Kirche" ist im Geiste Harnacks geschrieben; die kanonischen und dogmatischen Urkunden werden darin wie andere profane antike Texte streng philologisch-historisch betrachtet, in der bekannten Blickweise des evangelischen Theologen mit seiner eingewurzelten Abneigung gegen alles Jüdische. Beide Darstellungen sehen das Judentum als das verworfene, verblendete Gottesvolk an und sind auch von den Gedanken des Paulus (im Römerbrief Kap. 9—11) sowie des Johannes- Evangeliums (8, 12—59) über die Rolle der Juden im göttlichen Weltplan tief durchdrungen, obwohl beide im übrigen wie moderne Historiker, also innerweltlich, nicht mehr vorwissenschaftlich denken und schreiben. Aus Ehrhards unvergeßlichem älterem Grundwerk „Der Katholizismus und das 20. Jahrhundert" gewannen wir vor mehr als 3o Jahren unsere erste tiefere Einsicht in das Wesen des Mittelalters und des Christentums. Ein Satz aus dieser heute wie damals gleich frischen und zeitgemäßen Apologie lautet: „Je mehr das, was wir lieben und verehren, geschmäht und in den Staub gezogen wird, desto inniger pflegen wir es in unser Herz zu schließen." Ehrhard und Lietzmann sind beide viel zu abgeklärte, in ihrer wissenschaftlichen Arbeit über dem Schlagwort des Tages stehende echte Historiker, als daß sie das Judentum (außerhalb der theologischen Sphäre) auch nur mit einem Ton herabzögen, schon um ihrer eigenen Religion willen und in ihrem eingewurzelten Bewußtsein von der jüdischen Zugehörigkeit der großen urchristlichen Persönlichkeiten, denen ihre Deutungs- und Erklärungsversuche gelten. Die semitische, echt jüdische Denk- *) Urkirche und Frühkatholizismus von Albert Ehrhard. Erster Teil: „Die katholische Kirche im Wandel der Zeiten und der Völker." Bonn 1935. Geschichte der alten Kirche von Hans Lietzmann. 1. Band: Die Anfänge, 1932. 2. Band: Ecclesia catholica, Berlin und Leipzig, 1936. 555

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