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Der Morgen · 1936-03-01 · Heft 12 (März 1936) · p. 530

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 12 (März 1936)
Article
Jüdische Geschichtsauffassung
Date
1936-03-01
Page
530 (sequence 6)
Language
German
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Martin Buber Katastrophen oder schwere Existenzerschütterungen ausmünden läßt, aus denen die jüdischen Energien regelmäßig gestärkt und sublimiert hervorgehen, die jüdischen Volksbewegungen, die Begegnungen der Juden mit großen Kulturen, das Wachsen politischer Entscheidungen aus der religiösen Entscheidung, — alle solchen Probleme dürften eine neue Erhellung und (wie z. B. das Pharisäertum, der Chassidismus, das Christentum) eine andere Bedeutung für die Formung des jüdischen Menschen erhalten als in früheren Geschichtswerken. Regelmäßig wäre jeweils die Transformation der ursprünglich geistigen und psychischen Dynamik in die sozialen, volkhaften, politischen Bereiche mit darzulegen. „Ägypten ist Mensch und nicht Gott, ihre Rosse sind Fleisch und nicht Geist", sagt Jesaja (Kap. 31, 3). Gott—Mensch, Geist— Fleisch, um diese Pole kreisen die Lebenskräfte des Juden, der immer wieder erfährt, daß das Leid schöpferisch ist. Knecht Gottes bleibt er Herr seines Lebens, abhängig im äußeren wandelbaren Schicksal gestaltet er, zu nicht erlahmender Selbsterneuerung aufgerufen, sein inneres ewiges Schicksal, schafft sich aus geprägter jüdisch-seelischer und -geistiger Form die wechselnden Formen äußerer Existenz, deren Wandelbarkeit, deren Vergänglichkeit ihm nur ein Gleichnis ist. Martin Buber: Die Bibel als Erzähler Leitwortstil in der Pentateuch-Erzählung {Schluß*) Das größte Gebild jenes Leitwortstils („Paronomasie") beziehungsvoller Wiederholung von Worten oder Wortstämmen, dessen Eigenart in der Bibel ich dargelegt habe, zugleich aber paronomastische Komposition ist die Abrahamsgeschichte. Stücke von unverkennbarer Leitwortprägung sind hier mit Stücken anderer, leitwortfreier Art verknüpft, aber eben leitworthaft verknüpft, so daß wir es gleichsam mit zwei Schichten paronomastischen Erzählertums zu tun haben, die jedoch durchaus nicht streng geschieden werden können. Es hat vielmehr den Anschein, als sei zur selben Zeit wie die paronomastische Gestaltung einer Geschichte auch deren paronomastische Bindung an andere, benachbarte oder inhaltlich zugehörige erfolgt. Die Abrahamsgeschichte baut sich in sieben Offenbarungsvorgängen (12, 1—4; 12, 5—9; 13, 14—18; 15; 17; 18; 22, 1—19) auf. Dazwischen stehen erst nur einzelne Stücke anderen Inhalts, dann — zwischen dem vorletzten und dem letzten — ein ganzes Bündel, endlich nach dem siebenten das, was jetzt, nach dem un- *) Zu Ende des ersten Teils, S. 489, ist statt „Ernennung" Erneuerung zu lesen. 530

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