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Der Morgen · 1936-02-01 · Heft 11 (Februar 1936) · p. 511

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 11 (Februar 1936)
Article
Presseschau : Die Stellung des Geistes und die seelischen Erbwerte / h. c.
Date
1936-02-01
Page
511 (sequence 1)
Language
German
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Presseschau Die Siellang des Geistes und die seelischen Erbwerte Eugen Diesels kleine Schrift „Die Stellung des Geistes im Weltbild der Gegenwart" behandelt die Rolle, die der Geist gespielt hat, ,,bis er das Schicksal erfuhr, mit Mißtrauen, ja Feindschaft betrachtet zu werden". Der Autor glaubt ein Ende des Intellektualismus aus dem Wandel des Lebensgefühls zu spüren und warnt vor der Gefahr der Geistfeindschaft durch eine besondere Wertung des Triebhaften. In den kritischen Bemerkungen, die Theodor Heuss zu dieser Schrift macht (Die Hilfe, Nr. 2) heißt es u. a., unsere Epoche der Technik könne nicht nur als Zeugnis, sondern auch als Frucht eines „Intellektualismus" gelten, und deshalb bleibe unser Schicksal den Gesetzen der Notwendigkeiten dieser Epoche verbunden. Das möge von denen, die einerseits die Technik bejahen, andererseits dem Kult des Irrationalen leben, nicht nur nicht vergessen, sondern noch stärker betont werden. Man möge sich auch daran erinnern, daß immer in der Geschichte Weltanschauungen und Ideologien entwertet werden, sobald von neuen ersetzt werden; erst die spätere Geschichtsbetrachtung gewinnt Distanz und Gerechtigkeit. „Geist" ist heute ein mißverständlicher, mißverstandener und von Gefühlsbetonungen beladener Begriff. Dabei macht Heuß die Beobachtung, daß unter den Gelehrten und Schriftstellern, die den Kampf um den Geist führen und den „Trieb", die „Seelenhaftigkeit" und den „schöpferischen Willen" gegen die angeblichen Ansprüche und Überhebungen der „Vernunft" setzen, sich bereits ein neuer Typ von Intellektualismus entwickle: „Das ist wohl unvermeidlich, sei es, daß neue Worte zu einer Art von magischer Beherrschung für neue Zielsetzungen gebraucht werden, sei es, daß nur ein Tausch in den Begriffen erfolgte, mit denen alte Tatbestände gedeckt bleiben." An die zweite Beobachtung, daß dieser Kampf heute ruhiger und weniger heftig geführt werde, knüpft Heuß die Frage: „Wird damit auch die Gewöhnung verschwinden, in den Streit um den „Geist", um den „Intellektualismus" eine Art von moralischen Wertungen einzuführen?" Unserer Zeit ist es aufgegeben, geistige Kämpfe auszutragen. Doch „das Schicksal solcher Kämpfe ist abhängig von dem Niveau, auf dem sie geführt werden. Wo Werte der gleichen Rangordnung einander gegenüberstehen, ist der Kampf fruchtbar". Diesen Satz lesen wir in einem schönen Aufsatz, den Gertrud Bäumer unter dem Titel, „Die seelischen Erbwerte" in „Der Frau" (Heft 4, Januar 1936) veröffentlicht, als Warnung und Hinweis. Der Hinweis geht darauf hinaus, daß neben der Kette des Blutzusammenhanges, der die Geschlechter verbindet, die zweite der seelisch-geistigen Erbfolge läuft; daß Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Erbfolgen bestehen; daß noch niemand die Gesetze, nach denen Blut, Seele und Geist zusammenhängen, kenne und schließlich, daß zwischen der These ,der Geist ist nur eine Funktion des Blutes' und der andern, es ist der Geist, der sich den Körper baut' die Antworten aller al- 511

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