Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- Das siebenfache Licht [Rezension]
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 510 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Emanuel bin Gorion: Das siebenfache Licht noch auf- und ansteigend schien, plötzlich und unwiderruflich dekretiert ist zu längst Gewesenem, Abgeschlossenem: da lösen sich aus dem Dunstkreise, der das literarische Getriebe notwendig den Zeitgenossen verhüllen mußte, auch die Großen, wenn wir sie hatten, unsrer jüngsten Vergangenheit heraus. Aus dem Nebel taucht, fest umrissen und abermals Beispiel gebend, die Gestalt Moritz Heimanns. Sein Werk, an der Schwelle des Umbruchs uns geschenkt und so spät erkannt, daß wir jetzt erst beginnen können, es auszuschöpfen, gibt dem geschilderten literaturgeschichtlichen Abschnitt, den es äußerlich abschließt, einen neuen Sinn, ob es gleich, wie aller echte Ausdruck des Geistes, zu allererst für sich selber steht und zeugt und aus sich selber begriffen werden muß. * Mit dem neuen Lesebuch ,,Das siebenfache Licht" ist der Versuch gemacht, Nachformungen jüdischer Stoffe und Schilderungen jüdischer Gestalten aus dem weiteren Bereiche der deutschen Dichtung wie aus dem engeren der jüdischen Dichtung deutscher Zunge zusammenzutragen und in Auswahl darzubieten. Der allegorische Titel bezeichnet zugleich den Charakter der meisten Stücke, die hier vereinigt wurden: ein jüdisches Symbol in der Wortprägung eines nicht jüdischen Schriftstellers (die Wendung ist dem ,,Klagegesang der Kinder Juda zu Rom" von Gregorovius entnommen). Die Gedichte sind von den Prosastücken getrennt. Beide Abteilungen beginnen mit der Wiedergabe des biblischen Stoff- und Vorstellungskreises, um dann zu Themen und Figuren der nachbiblischen jüdischen Geschichte überzugehen. Auch solche Dichter, die zu den klassischen nicht zählen, aber ihr Thema schlicht abschildern und mit einfachen, ehrlichen Mitteln zu bewältigen suchen, vermögen in einer Anthologie dieser Art, in der das Thematische im Vordergrund steht, neben den großen Meistern zu bestehen. Mehrfach wurde neben den Stoff das aus dem Stoff bereits abgeleitete Bild gesetzt. Möglichst alle Variationen der Betrachtung des zeitgenössischen wie des historischen Judentums sind zu Worte gekommen: wohlwollendes Verslehen wie kühle Sachlichkeit, Stimmen der Begeisterung wie der Kritik, auch gutmütiger Spott; die strikt ablehnende Haltung blieb, wie verständlich, ausgeschlossen, ebenso aber auch die blind-verherrlichende. Der Verzicht auf Apologie jeder Art, zu dem die Ereignisse von selbst uns geführt haben, wird für die kulturelle Arbeit innerhalb unsrer Gemeinschaft zu einem wahren Segen: wir wollen auf niemanden mehr wirken als auf uns, und da wir nichts darzutun brauchen, können wir umso entschiedener dem Werk unsrer Bildung die Kräfte weihen. Ein Beitrag hierzu will ..Das siebenfache Licht" sein, das der jüdischen Schule wie dem jüdischen Hause gewidmet ist: eine Anthologie aus dem deutschen Schrifttum für den jüdischen Leser des deutschen Sprachraumes; ein Spiegel der mannigfachen Erscheinungsformen alten und neuen Judentums, der jüdischen Jugend zur Kenntnisnahme, Unterhaltung und Belehrung. 510