Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- Das siebenfache Licht [Rezension]
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 509 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Das siebenfache Licht dem Schrifttum deutscher Sprache ein Stück herausgelöst und uns zur Betreuung übergeben. Eine zweite, kleinere Schatzkammer., dafür von uns allein zu verwalten: Schätze des Silbers neben denen des Goldes, die der ganzen Menschheit gehören. Es wird unsere Aufgabe sein, das bescheidene Gärlchen grün zu erhalten, aber der Besitz soll uns nicht dazu verleiten, es zu einem Paradiese besonderer Art umzuträumen. Ein gewisser Ahnenstolz ist verzeihlich, und die fast legendäre Gestalt des Minnesängers Süßkind von Trimberg schaut vielleicht den oder jenen aus der bebilderten Liederhandschrift hierzu aufmunternd an: fangen wir aber doch lieber erst von Mendelssohn an zu zählen. Dabei Avird sich ergeben, und wir tragen es als Lehre davon, daß gerade der beispielhafte Typus des Schriftstellers jüdischer Nation und deutscher Sprache fast nur im Beginn dieses Zeitalters sich zeigt, um im Laufe der Emanzipationsperiode, die uns hunderte von Autoren ähnlicher Kategorie zu bringen hat, allmählich zu verblassen. Allein im 18. Jahrhundert, mit dem wir die neue Rechnung anheben, blüht im Verborgenen der Dichter Moses Ephraim Kuh, der den Vergleich mit den Besten aushäll; wirkt am Rande das Genie Salomon Maimons, dessen Lebensbeschreibung, mehr noch als sein System, zu den klassischen Leistungen gehört: lebt, die Epoche einleitend und ihr Ideal repräsentierend, Moses Mendelssohn, von zeitlichem Ruhme gekrönt, dessen Abglanz gedauert hat. Allen dreien gemeinsam, daß sie jüdisches und abendländisches Geistesgut vereinigt haben, daß sie hebräisch dachten und fühlten, ehe sie deutsch zu denken und zu fühlen begannen, daß sie — ob wir nun glauben mögen, die beiden Elemente lassen oder ließen sich vereinen, ob wir es verneinen — beides unvermischt in sich trugen, es auf sich konnten wirken oder gar miteinander ringen lassen: che sie wurden, was sie wurden. Schon den beiden folgenden Generationen mangelte (diese Feststellung jetzt nicht als Tadel gedacht) jene natürliche Wurzel, und vielleicht ist dies die Ursache für den Widerstreit, den ihr Werk bestenfalls in uns heute noch zu erwecken vermag: die eine, einzige Ausnahme: Heinrich Heine, in dem alle Sünden und Vorzüge dieser Existenz so gesteigert erscheinen, daß sein Werk bleiben wird, schon weil es immer umkämpft bleiben wird. Aber Heine hatte wiederum Schüler und Fortsetzer ... Erst heute, wo — deutlich und scharf wie nur selten in der Geschichte der Völker und ihrer Schrifttümer — ein Strich gezogen ist unter eine Epoche, die nicht wiederkehrt, und wo oine Gegenwart, die uns immer Das Januarheft enthielt u. a.: Mikrokosmos der Weltgeschichte I Grigori Landau, Die schöpferische Diaspora / Hans Bach, Jüdische Selbstbekenntnisse I Johanna Michaelis, Der Golem / Lutz Weltmann, Juden als Übersetzer Im Märzheft schreiben u. a.: Ludwig Landau, Jüdische Geschichtsauffassung ( Marlin Buber, Die Bibel als Erzähler (Schluß) / F. Ellinger, Studie über den Witz 509