Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- Die Araberfrage
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 500 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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M. Y. ben-Gavriel (Jerusalem) Vor allem aktivierte der von außen, aus den anderen Teilen des arabischen Lebensraums kommende Einfluß das arabische Palästina. Die Gründung arabischer Reiche, der syrische Aufstand, die großen politischen und strategischen Siege Ibn Sa'uds mußten auch die Palästinenser arabischer Nationalität aufwühlen. Die Unterschätzung von Ereignissen, die doch die ganze Landkarte um Palästina herum veränderten, seitens der zionistischen Diplomaten — eine Tatsache, die vielleicht verständlich ist, wenn man den Mangel an Führern in Betracht zieht, die' gewohnt waren, in weltpolitischen, über die jüdische Gasse hinausreichenden Kategorien zu denken — diese Geringschätzung mußte sich rächen. Es entstanden Kräfte, die auf die Ordnung der Dinge in Palästina, wenn auch indirekt, Einfluß nahmen, mit denen aber der Zionismus kaum mehr als durch gelegentliche Höfüchkeitstelegramme in Kontakt kam. Die zionistische Araberpolitik wollte sich nicht zur Arabien-Politik entwickeln, so daß, um nur ein Beispiel zu nennen, als Hadsch Emin, der Mufti von Jerusalem, anläßlich der Friedensverhandlungen zwischen der Saudije und Yemen eine umfassende antizionistische Propaganda in diesen beiden Ländern trieb, keine nennenswerten Abwehrmaßnahmen dagegen getroffen wurden. Auch heute noch besteht kaum eine direkte Verbindung zu König Ibn Sa'ud oder zum Herrscher von Yemen, die gelegentliche Besuche bei den diesen Regierungen nahestehenden Kreisen in Kairo oder Versuche, durch englische Kanäle zu wirken, überstiege. Zu einer offiziellen Klarstellung der zionistischen Ziele bei den Regierungen der unabhängigen arabischen Staaten, die der Propaganda palästinensisch-arabischer Kreise entgegenwirken könnte, ist es jedenfalls noch nicht gekommen. So verfehlen Zweckmeldungen wie die eines angeblichen Plans der Juden, die Omarmoschee in Jerusalem, eine der heiligsten Stätten des Islam, mit Waffengewalt zu besetzen, ihren Eindruck auf die religiös eingestellten Araber der Halbinsel so wenig wie auf die Mohammedaner Indiens. Die englische Regierung aber hat immer ein feines Ohr für die außenpolitischen Wünsche der indischen Moslemin gehabt und kommt solchen Wünschen sogar zuvor, wie die niemals dementierte Meldung zeigen kann, daß die indische Regierung auf den Plan einer Gesetzgebenden Versammlung in Palästina von bedeutendem Einfluß gewesen sei. Dazu kommt die Eigenart der englischen Regierungsmethoden in Palästina, die in dem doppelten Gesicht des Mandats begründet ist. Die Tatsache, daß alle vorderasiatischen Mandatsgebiete der Gruppe A bereits eine Art Konstitution besitzen, während Palästina mehr oder weniger absolut regiert wird, diese Tatsache muß, wenn wir sie objektiv betrachten, einen starken Anreiz zu erhöhter Aktivität mit sich bringen. Er wird durch die jüngsten Ereignisse in Ägypten und durch die Hoffnungen auf einen Krieg verstärkt. Zu 500