Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1936)
- Article
- Die Araberfrage
- Date
- 1936-02-01
- Page
- 499 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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M. Y. ben-Gavriel (Jerusalem): Die Araberfrage Wir bringen diese Darstellung eines der brennendsten Probleme palästinensischer Gegenwart nicht ohne den Vorbehalt zum Abdruck, daß die scharfe Beleuchtung eines einzelnen Gebietes nicht den Blick für die Gesamtheit des palästinensischen Lebens einengen darf, in dem es nur einen Teil bildet; weitere Aufsätze über andere Gebiete werden das Problem selbst auf seine wirkliche Bedeutung zurückführen. Die allzu gewagte These einer jüdischen Assimilation an die Araber, in die die Darstellung mündet, stellen wir zur Diskussion. Die Schriftleitung In den Grundzügen und Grundlagen der Araberfrage hat sich die Situation seit den letzten zehn Jahren nicht geändert. Noch immer, wie damals, besteht ein angeblich unüberbrückbarer Gegensatz zwischen den Forderungen der Juden und den Wünschen der Araber, und noch immer ist kein Weg zu sehen, der die beiden Pole im positiven Sinn verbinden könnte. Alles, was die letzten Jahre an historischem Geschehen zu verzeichnen haben, alle auf die Gestaltung dieses Problems bezüglichen politischen Ereignisse, ob sie sich als Gründung neuer Parteien, als englische Regierungsmaßnahmen oder als Kampfhandlungen wie die des Jahres 1929 darstellen, sind letzten Endes ohne Einfluß auf die Existenz des Problems selbst. Der Gegensatz zwischen Arabern und Juden in Palästina ist eine geschichtliche Tatsache, die nicht durch „bösen Willen", nicht durch eine vom Zaun gebrochene Agitation irgendeiner arabischen Partei und nicht durch Propaganda von Mächten, die England oder den Juden Schwierigkeiten bereiten wollen, hervorgerufen wurde. Sie ist vielmehr das natürliche Ergebnis einer natürlichen Entwicklung und muß, mit allen Konsequenzen, als Tatsache hingenommen werden. Dazu führten weltpolitisch die rasend schnelle Entwicklung der arabischen Völker vom politischen Objekt zum Subjekt der Politik, lokalpolitisch — in Palästina — der plötzliche Zusammenstoß zweier Arten von Lebenshaltung, zweier Weltanschauungen und zweier Weltalter: einer mittelalterlich feudalen Latifundienherrschaft und eines fellachischen Kulitums mit den Juden als Trägern moderner ökonomischer Theorie und Praxis. Beide Faktoren mußten vorhandene Energien aktivieren und zwar in Formen, die der Tradition und dejn Temperament der palästinensischen Araber entsprechen. 499