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Der Morgen · 1936-02-01 · Heft 11 (Februar 1936) · p. 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 11 (Februar 1936)
Article
Die Bibel als Erzähler
Date
1936-02-01
Page
489 (sequence 8)
Language
German
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Die Bibel als Erzähler nun schon zweimal: / genommen hat er einst mein Erstlingtum (bechorati), und jetzt eben hat er noch meinen Segen (birchati) genommen!"5) Vier Motivworte: Trug, Erstlingtum, Segen, Name. In seinem Exil, von Gott zwar beschützt, aber nicht vor der Heimsuchung bewahrt, erfährt Jaakob, wie es ist, wenn einem in der eigenen Sippe Trug widerfährt. In seiner Beschwerde kehrt das erste Leitwort wieder: mit dem gleichen Wortstamm6) fragt er Laban (29, 25): „Warum hast du mich betrogen?" Und Laban antwortet — mit dem zweiten Leitwort. Denn sein „Trug" bestand ja darin, daß er, so wie Jaakob, der Jüngere, sich durch Verstellung als der Erstgeborne ausgegeben hatte, ihm ebenso an Stelle der Jüngeren die Erstgeborne durch Verstellung zum Weibe gab. „So tut man nicht an unserm Ort", sagt Laban, „die Jüngere fortzugeben vor der Ersten". Bechora: Erstgeburt; bechira: Erstgeborne. „So tut man nicht an unserm Ort!", sagt Laban. Noch manches mal „narrt" Laban Jaakob (31, 7), aber Gott steht ihm bei und hilft ihm überwinden. Nach zwanzig Jahren kehrt er, zu „zwei Lagern" geworden, in die Heimat zurück. Er will Essaw begegnen und ihn versöhnen. Vorher aber hat er die letzte Probe, den nächtlichen Kampf mit dem „Mann" zu ber stehen. Es geht um zwei Dinge, den Segen und den Namen. (Ser gen, Name, Name, Name, Name, Segen, Name, so ist die Folge der Leitworte.) Den erschlichnen Segen soll der errungne decken. „Ich entlasse dich nicht, / du habest mich denn gesegnet". Darauf aber, fragt der Mann nach seinem Namen. Er antwortet: „Jaakob"; und der biblische Hörer der Erzählung hörte, wie uns die jeremianische Stelle erweist, „Fersenschleicher". Das eben, das Namensbekenntnis der Schuld, wollte der Mann ausgesprochen bekommen. Und nun nimmt er diesen Schuldnamen von ihm: „Nicht mehr Jaakob, Fersenschleicher, werde dein Name gesprochen" — ja, man darf wohl7) übersetzen: „Nicht als »Fersenschleicher4 mehr werde dein Name besprochen" —, „sondern Jissrael, Fechter Gottes". Der schlechte Kampf ist durch den guten gebüßt, der schändlich gewordene Name durch den heiligen abgelöst. Noch dreimal folgt das Leitwort „Name" und hämmert uns den Sinn des Geschehenen ein. Dazwischen steht der Segen, ohne eine Rede, es ist wohl nur die segnende Gebärde gemeint, aber es genügt: der* erfochtene Segen deckt den erschlichenen zu. Bald (35, 10) wird Gott selber die Ernennung des Menschen Jaakob-Jissrael aussprechen und damit endgültig vollziehen. (Schluß folgt.)' 5) Die Assonanz soll hier wie oft zur Einprägung des Verses ak eines von zentraler Bedeutung, den man sich für das Weitere merken muß, beitragen. 6) Er kommt nur noch einmal im Pentateuch vor: I. M. 34,13 von Jaakobs Söhnen. *) Vgl. Ps. 139, 20 Kre und Mss. 489

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