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Der Morgen · 1936-01-01 · Heft 10 (Januar 1936) · p. 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 10 (Januar 1936)
Article
Hugo von Hofmannthals Jugendbriefe [Rezension]
Date
1936-01-01
Page
472 (sequence 3)
Language
German
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steht die Dichterfreundschaft mit Beer-Hofmann, dem positivsten Juden aus diesem Kreise, vor uns. In der Frühzeit stehen beide Dichterauf der gleichen Ebene des Symbolismus und der Neuromantik; Beer- Hofmanns starke Wendung zur jüdischen Gestaltung erfolgte erst später, ebenso wie auch Hofmannsthals entschiedene Wendung zur katholischen Gedankenwelt. Ihre Jugend sieht die beiden Dichter noch erfüllt von einer fast heidnischen Weltoffenheit. Immer wieder aber heißt Hofmannsthals Mahnung an die Freunde: „Zwingen Sie sich zur Arbeit!"; und in einem Brief an Schnitzler aus dem Jahre 1896 klingt das Glück dieser Freundschaften der Arbeit ebenfalls durch: „Wir haben doch in diesen paar Jahren sehr viele schöne Stunden gehabt. Wir haben das Leben sehr oft reich und groß gesehen und waren imstande, die Dinge aufeinander zu beziehen, und immer hat sichs wieder verändert, das war das schönste. Auch daß wir voneinander nicht zuviel wissen und immer jeder wie ein neuer aus seinem Leben hervortritt und wieder hineingeht, ist sehr schön." Tradition und Bildungsmacht, Freundschaft und literarische Kameradschaft, das sind die Pole, zwischen denen sich das Leben des jungen Dichters abspielt. Walter Perl Otto Zarek, Kossuih. Die Liebe eines Volkes, Bibliothek Zeitgenössischer Werke, Zürich 1935. Vielleicht hat Otto Zarek, der Romanschriftsteller, sich dem reichen und bewegten Leben des ungarischen Patrioten Ludwig Kossuth ursprünglich als einem besonders reizvollen Romanthema genähert. Aber die Fülle des Stoffes an Ereignissen und Menschen — 1802 bis 1894! — hat ihn dann wohl zur sozusagen korrekten Biographie gedrängt; und bei der unzulänglichen Bekanntschaft des heutigen Leserkreises mit den wichtigsten historischen Zusammenhängen, in die Kossuths Leben verflochten war, mußte in diese Lebensbeschreibung eines Einzelnen die Darstellung einer ganzen geschichtlichen Epoche eingewoben werden. Der glühende ungarische Patriot, der niemals Rebell gegen sein Land und dessen Verfassung, nur gegen den noch nicht mit der Stefanskrone gekrönten Franz Josef gewesen ist, stand mit fast allen wichtigen Staatsmännern seiner Zeit in persönlicher Beziehung. Erst mit russischer Hilfe konnte Franz Josef den von ihm geleiteten ungarischen Aufstand niederschlagen, und der sprichwörtliche „Dank vom Hause Habsburg" dafür wurde zur Quelle des österreichisch-russischen Gegensatzes, der dann eine der Ursachen des Weltkrieges bildete. Zareks historische Gewissenhaftigkeit läßt neben seinem Helden auch die scharf gezeichneten Porträts einer großen Zahl von Mit- und Gegenspielern Kossuths erscheinen. Auch die Rolle der Juden Ungarns in diesen schweren Kämpfen kommt dabei zu ihrem Recht, zusammengefaßt in den Worten des großen ungarischen Dichters: „. . damals brachte das jüdische Volk sein Blut, sein Vermögen, seinen Geist zum Opfer für die Verteidigung der ungarischen Nation . ." Zum Verständnis der Gestaltung Mitteleuropas im vorigen Jahrhundert, die bis heute nachwirkt, liefert das Buch einen fesselnden und wichtigen Beitrag. t.l. 472

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