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Der Morgen · 1936-01-01 · Heft 10 (Januar 1936) · p. 465

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 10 (Januar 1936)
Article
Roman um den zweiten Jesaja [Rezension]
Date
1936-01-01
Page
465 (sequence 3)
Language
German
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Motivierungen und Verknüpfungen bleiben hinter der Größe der künstlerischen Vision Meissingers zurück. In einem von Superlativen erfreulich freien Geleitwort bezeichnet Selma Lagerlöf das Buch Meissingers als eines von denen, auf welche die Inschrift der Bibliothek zu Alexandria passen würde: „Heilung für die Seele." " L.W. Rahel Wischnitzer-Bernstein, Gestalten and Symbole der jüdischen Kunst, Verlag Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg 1935. Die Verfasserin bezeichnet es als Aufgabe ihres Buches, „die verschütteten Inhalte der jüdisches Kunst aufzudecken, ihre Zeichen und Gestalten zu deuten, Vorarbeit zu leisten} für eine Motiv-Typengeschichte der jüdischen Kunst". Dieses Ziel ist ihr — um den Gesamteindruck des Buches vorwegzunehmen — in hohem Maße gelungen. Es ist Neuland, zu dem sie vorstößt. Was ikonographisch, unter besonderer Berücksichtigung mittelalterUch-kirchlicher Kunst, Männer wie A. Springer, J. Ficker, F. X. Krauss geleistet haben, das versucht die gelehrte Verfasserin erstmalig mit feinem Einfühlungsvermögen für das Gebiet der jüdischen Kunst. Eine Fülle von Material aus dem Bereich der Malerei, der Plastik und Graphik, darunter auch viel Unveröffentlichtes ist mit geschickter Auswahl herangezogen. Die Deutungen der Bildmotive der jüdischen Kunst wie der Formen der Kultgeräte für Synagoge und Haus sind überraschend, die Einblicke in die seelische Welt des mittelalterlichen Juden neu und teilweise tief. Um diese Eindrücke zu erschließen, läßt Rahel Wischnitzer-Bernstein das gesamte Gebiet des jüdischen Lebens an dem geistigen Auge des Lesers vorüberziehen. Jede der vielen Fragen, die hier zu behandeln sind, empfängt durch Heranziehung geeigneten Bildmaterials eine fesselnde Darstellung. Oft werden ungeahnte Zusammenhänge nachgewiesen, z. B. bei dem bekannten Symbol des Leuchters, dessen pflanzliche und kosmologische Symbolik treffend dargelegt wird. Ergreifend sind die Ausführungen über die symbolische Darstellung der Tora in der Schilderung eines Bildes aus dem 1278 geschriebenen Wormser Machsor, aufschlußreich auch die Partien des Werkes, die der Erklärung des Tierbildes gewidmet sind, nicht nur des Tierkreises, sondern auch der im Midrasch erwähnten Tiere wie des Phönix, des Pelikans, des Löwen, des Einhorns und insbesondere des Hirschs. Dabei gelingen der Verfasserin wertvolle Ergänzungen bzw. Richtigstellungen der über mittelalterliche Handschriften, insbesondere auch Haggada-Handschriften, vorliegenden Ergebnisse. Gut ist die Deutung des Mazzatellers der ersten Nürnberger Haggada - Handschrift. (Die Lesung der vermeintlichen Abbreviatur T"ft als „Diese Mazza" S. 101 ist freilich ein Irrtum. Das hebräische Wort heißt ja und ist der Anfang des Psalmenverses -ix&rr"i& ST TTtnpvgl. Müller und v. Schlosser, „Die Haggada von Serajewo", S. 124.) Glücklich sind auch die Deutungen des Rundmedaillons derselben Handschrift, die des Salomo-Bildes der zweiten Nürnberger Handschriftund die Erklärung der Verfasserin für die in einer jüdischen Handschrift befremdlich anmutende Darstellung des Schweines in derselben Handschrift; 465

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