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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 423

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Schire Erez Israel [Rezension]
Date
1935-12-01
Page
423 (sequence 3)
Language
German
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als Schönberg, die Melodie sehr vereinfacht. Dieser (S. 19) gibt sie weniger simpel und nennt den Namen des Komponisten M. Sejra. Offenkundiger kann die Verwirrung nicht sein. Man könnte bei dem Buche von Schönberg noch über manches sprechen: über die Kanons, die, wie lachewrah (S. 19) und al naha'rot bawel (S. 137 oben), oder, wie mi j'mallel (S. 24) und Rabbi Mejr (S. 176), nicht aufzulösen sind; mancher zwei- oder dreistimmige Satz wäre zu ändern oder klarer zu notieren und so fort. Aber das ergäbe ein neues Buch und gehört in ein neu zu gründendes Fachblatt für jüdische Musik. Die Einteilung bei Schönberg in 7 Abteilungen: Lieder der Begeisterung; der Arbeit und des Aufbaus; der Heimat und der Landschaft; der Feste und Freude; der Lyrik; der Kinder und zuletzt nur Melodien und Tänze ohne Texte ist gut und übersichtlich. Besonders in den mit Namen des Komponisten genannten Stücken findet sich Bedeutendes: Joel Engel, von dem man in Deutschland wenig weiß oder wissen will, ist ein David Baumgardt, Der Kampf um den Lebenssinn unter den Vorläufern der modernen Ethik. Verlag Felix Meiner, Leipzig 1933. Baumgardt beginnt mit Recht seine Darstellung mit dem Kantischen Zeitalter; denn in diesem sind allerdings die Quellen der heutigen deutschen Moralphilosophie zu suchen. Sie liegen nicht bloß im kritischen Rationalismus Kants, sondern auch in dem unkritischen Irrationalismus seiner derselben Epoche angehörenden Gegner. Gerade hierauf läßt Baumgardt viel Licht fallen; er weist nach, großer Komponist. Der wertvollste Teil ist wohl der, der Melodien ohne Texte enthält. Hier ist vieles ungebundener als sonst, obschon freilich die übermäßige Sekunde allein auch noch nicht jüdische Herkunft verbürgt; denn sie findet sich in der abendländischen Musik genau so oft (als harmonisches Moll) wie in der arabischen. Die den Liedern angefügten Vokabeln sind sehr willkommen; denn wer kann das wirklich alles übersetzen, seien wir doch ehrlich! Das Format des Buches, das in die Tasche gesteckt werden kann, der Druck, die ganze Ausstattung sind recht gut. Im ganzen ist das Buch aber auch nur eine Materialsammlung, die vieles bringt, um vielen etwas zu bringen. Es wird noch manches Jahr vergehen, bis wir für die jüdischen Lieder etwas Ähnliches haben werden, wie es z. B. die Bücher von Erk oder der deutsche Liederhort von Erk-Böhme für das deutsche Volkslied sind. Wir stehen erst am Anfang einer langen wissenschaftlichen Arbeit. Auch Schönberg gibt nicht mehr und nicht weniger, als man heute erwarten darf. O.G. daß der gegenwärtig in Deutschland so sehr verbreitete ethische Irratio1nalismus sachlich und zum Teil auch historisch in jenem ethischen Irrationalismus wurzelt, der um die Weende des 18. und 19. Jahrhunderts Ergänzung und Widerspruch zugleich zu Kants ethischem Rationalismus bildet. Die Würdigung des letzteren unterscheidet sich vorteilhaft von so mancher anderen dadurch, daß sie weder unter dem Gesichtswinkel einer der zahlreichen späteren Kant- 423

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