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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 421

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Die Zunz-Bibel [Rezension]
Date
1935-12-01
Page
421 (sequence 2)
Language
German
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der Gegenwart eine völlig andere Funktion als eine deutsche Hausbibel im nichtjüdischen Haus in vergangenen Zeiten oder als der hebräische Text in Gestalt eines „Chumesch" oder „T'nach" im alten jüdischen Kreis. Weder Zunz noch Buber— Rosenzweig oder die neue Berliner Bibel führt heute noch als das Hausbuch eine Sonderexistenz wie dereinst Postille und Bauernbibel oder die alte jüdische Frauenbibel „Zeenah u-Reenah". Die wiedererstandene Zunz-Bibel — schlicht, wortgetreu, vollständig — ist heute der am einfachsten und zweckmäßigsten verwendbare deutsche Bibeltext, das Nachschlage- und Lesebuch, das wir brauchen, das wir ohne Sorge mit dem hebräischen Wortlaut zusammenhalten und zitieren dürfen. Die darin entfaltete Sprach- und Übersetzungskunst kann neben unseren berühmten besten Übersetzungen aus neuerer Zeit mit Anstand bestehen. Ludwig Feuchtwanger Sdiire Erez Israel Palästinensische Lieder, gesammelt von Jakob Schönberg, Jüdischer Verlag, Berlin 1935 Eine Zeitlang war es, nach den vor Jahren erschienenen jiddischen und hebräischen Liedersammlungen, ein wenig still damit geworden. Heute besteht dafür bei den Juden Deutschlands wieder ein Bedürfnis, und es wurden dicht hintereinander zwei neue Liederbücher herausgegeben, von denen das eine, „Hawa naschira" von Jacobsen und Jospe, hier bereits gewürdigt wurde. Ein Vergleich mit dem nun vorliegenden, im Auftrage der deutschen Makkabi- und Hechaluz-Organisation herausgegebenen Buche liegt nahe. Nur ein paar allgemeine Bemerkungen sollen vorausgeschickt werden über die von den Herausgebern selbst aufgezeichneten Weisen. Man wird da fast jede Melodie in jeder Sammlung anders notiert finden, weil sie dem betreffenden Sammler je nach seiner Herkunft oder nach Herkunft dessen, dem er sie ablauschte, anders erschien. Es handelt sich nicht um unwesentliche Varianten, sondern um rganze Tonfolgen, die den Melodiecharakter grundlegend ändern. Aber jeder behauptet, den echten Ring zu haben, obschon oft deutlich genug das Volkstümliche und Echte, das „Jüdische", vom Einfluß der Umwelt, von der Verwestlichung, vom Aufputz, von der zivilisierenden „Verschönerung" leicht zu trennen ist. Schönberg weiß das ganz genau, denn er spricht in seinem hebräischen Vorwort auch über die Gefahren, die der jüdisch-nationalen Musik (deren Existenz er voraussetzt, die aber nicht so ohne weiteres als ein wirklich fertig Gegebenes, ja noch lange nicht einmal als ein genau Umgrenztes angesehen werden kann!) durch das Weitergeben, durch die vage Überlieferung von Mund zu Mund drohen. Aber dann müßten eben vor allem die Herausgeber selbst mit der Überlieferung vorsichtiger, liebevoller und kritischer umgehen; denn häufig genug biegen sie selbst die Herbheit, die Atonalität, die mittelalterliche 421

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