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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 420

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Die Zunz-Bibel [Rezension]
Date
1935-12-01
Page
420 (sequence 1)
Language
German
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Die Zunz-Bibel Die Heilige Schrift. Nach dem masoretisdien Text anter der Redaktion von Dr. Zunz übersetzt von H. Anthelm, Dr. Julias Fürst, Dr. M. Sachs. 17. AafL BerUn\l935. Leo Altertham Verlag. Im Juni-Heft des laufenden Jahrgangs des „Morgen" waren die Grundsätze erörtert, die von der hebräischen und von der deutschen Sprache her für die Beurteilung einer deutschen Bibelübersetzung heute maßgebend sein müssen. Die neuen Obersetzungen von Buber —Rosenzweig und der um Professor Torczyner herum an der Berliner Bibel mitarbeitenden Gelehrten gaben in der letzten Zeit wiederholt Anlaß, das Ideal einer modernen deutschen Übertragung im jüdischen Geist zu überprüfen. In dieser Diskussion kommt der Neudruck der alten Zunz-Bibel, durch ein neues Satzbild und einen sehr billigen Preis auch äußerlich wieder leicht zugänglich gemacht, zur rechten Zeit. Diese Obersetzung löste vor etwa 100 Jahren die Mendelssohn- Bibel ab und gab den deutschen Juden des 19. Jahrhunderts für lange Zeit ein zuverlässiges, in der besten, an den deutschen Klassikern, vor allem auch an Schleiermacher geschulten Sprache abgefaßtes, vollständiges Bibelwerk in deutscher Sprache. Es ist schade, daß Franz Rosenzweig in seiner oft zitierten Abhandlung „Die Schrift und Luther" (1926) die deutsche Textbibel von Kautzsch so ausschließlich aufs Korn genommen hat, daß er darüber die alten Übertragungen von Zunz, Sachs, Arnheim, Fürst, die zusammen die „Zunz-Bibel" ausmachen, vergaß. Gerade heute, wo wir erkannt haben, daß eine deutsche Übersetzung nur ein Kommentar unter Kommentaren zum Originaltext sein kann, staunen wir wieder über die respektable sprachkünstlerische und philologische Leistung von Zunz und seinen Mitarbeitern. Hier haben wir den einfachen, gänzlich unprätentiösen, aber immer peinlich getreuen Bibeltext in fließender deutscher Sprache aus der Zeit unmittelbar nach Goethe, wie er — ähnlich einem guten hebräischen Wörterbuch — für Laien und Bibelkenner jederzeit zur Hand sein muß! Kein deutsches „Altes Testament" kann den hebräischen Urtext ersetzen; eine gute deutsche Übersetzung wie „Zunz" beschränkt sich von vornherein darauf, den wörtlichen Sinn wiederzugeben und verzichtet darauf, an den Urlaut heranzudrängen. Bei den berühmten metrischen Teilen der Bibel, wo die Lauttreue, der Rhythmus noch viel mehr bedeutet als etwa bei den erzählenden Stücken oder den Gesetzestexten, hat Michael Sachs, der Machsor-Übersetzer, die Hauptarbeit getan; sie hält einer modernen Nachprüfung sehr gut stand. Wer den hebräischen Text jederzeit zur Hand hat und daran die Kunst der deutschen Übertragung mißt, beobachtet, wie die vormärzlichen Interpreten, denen wir die Zunz-Bibel verdanken, der großen Übersetzungskunst, die in dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und in dem ersten des 19. blühte, noch ganz nahe standen. Es ist schon früher im „Morgen" (in dem zitierten Aufsatz über die neue Berliner Bibel) deutlich ausgesprochen und begründet worden: Eine deutsche unerläuterte Bibel hat in 420

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