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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Parteibefreites Judentum [Rezension]
Date
1935-12-01
Page
413 (sequence 2)
Language
German
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rauf es Maybaum schließlich ankommen muß: die Wandlung des Lesers in den Mitsprecher, der Aufbruch des echt jüdischen Verhältnisses von Schüler und Lehrer (was ein umkehrbarer Vorgang ist!) und noch weiter endlich die erneuerte Gemeingestalt des C h a w e r, das meint dessen, der mitlernt und mittut und dem das Wissen um die Lehre keinen Augenblick aus dem Zusammenhang des Lebens herausbricht. Maybaums Buch darf verlangen, daß es unter uns zum Gegenstand lebendiger Aussprache, nicht etwa bloß literarischer Kenntnisnahme werde; was über die Chewra, eine jüdische Grundform der geheiligten Gemeinschaft, und im Zusammenhang damit kritisch über die Bünde gesagt wird, was weiterhin über jüdisches Beten (das Gebetbuch) und über die Kernprobleme von Lehre und Gesetz in dem Buche steht, das muß richtig „gelernt" und in die Weite und Tiefe verstanden werden. In dem längsten und dem kürzesten Abschnitt des Buches, dem über den Rabbiner und dem über Raum und Grenze der Diaspora, prägen sich die wirkende und die deutende Absicht Maybaums am schärfsten aus. Hier — in den „Leitgedanken einer zweiten Emanzipation als einer religiösen Emanzipationsbewegung", in dem Satze, daß „wir, das Volk der Zerstreuung, von der christlichen Politik in unserer Hoffnung auf Heimat ausgehen", und in der Bezeichnung des Rabbiners als des „kommenden Exilarchen" — wird der geometrische Ort sichtbar, auf den sich gewiß lebhafteste Diskussionen beziehenwerden. Es wird dann (im Raum dieser kurzen Anzeige sei das nicht versucht) alles Ja und alles Nein gesprochen werden müssen und auch aus den Gefahren, die wie jedes gute Buch auch dieses Buch enthalten mag, wird um der Einung willen Auftrieb für unser jüdisches Leben entstehen. Zu wünschen ist, daß Maybaums Worte mit allem Ernst und mit aller Strenge aufgenommen werden, wie er es verlangt; er selbst sagt: „Wir sind vor der jüdischen Geschichte verantwortlich. Wem wir da verantwortlich sind, wissen wir." Das soll jeder wissen, der sich mit unserem Schicksal befassen muß. Eduard Strauss Mit Thomas Mann über den Ozean Steigen Sie ein, meine Herrschaften, wenn ich bitten darf! Es ist eine Sache für Feinschmecker — wir fahren unter dem Segel des Helden Don Quichote und nach dem Kompaß des Kapitäns Thomas Mann (dessen blaue Jacke und weiße Hose ihm wie angegossen sitzen und weder sichtbare noch moralische Falten schlagen). Wir fahren nach Amerika, aber wir fahren weniger um des Zieles als um des Weges willen, langsam und weitspurig, und werden dabei von all den bunten, nach See- und Reisewind schmeckenden Eindrücken unterhalten werden, die unserem Steuermann in Augen und Sinn kommen. Wir jagen nicht mit dem schnellsten Schiff nach der neuen Welt, nein, wir überqueren das große Wasser mit einem behäbigen Holländer, nicht nur weil das Andante nach Richard Wagner das deut- 413

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