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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 411

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Berthold Goldschmidt und eine palästinensisches Hirtenlied
Date
1935-12-01
Page
411 (sequence 5)
Language
German
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Berthold Goldschmidt und ein palästinensisches Hirtenlied der das bewußte Bauen und Türmen liebt, Musiker der Stadt, der nordeuropäischen Großstadt. Nur Künstler wie Bartök und Kodaly etwa (von denen der letztere allerdings seine Herkunft von dem nachxomantischen Impressionisten Debussy heute noch nicht verleugnet), die auf dem Boden ihres ungarischen Landes gewachsen und gewissermaßen seine Bauern geblieben sind, wissen die Lieder der Heimat mit ihrem im Gegensatz dazu atelierhaften Kompositionsslil zu \ erschmelzen. Goldschmidt konnte das Lied nur verarbeiten unter den Bedingungen, die die seinen sind und denen er nicht ausweichen kann. Durch eine Umdeutung des vokalen Charakters des Liedes in einen instrumentalen, durch eine Veränderung der Mentalität rückte er an Bach heran. Er hat es damit auf seinen eigenen Nenner gebracht. Bach ist ja eins der großen Bildungserlebnisse so vieler zeitgenössischer und zeilbewußter Musiker, eines Hindeinith, eines Strawinsky u. a.: seine fast unfaßbar weite konstruktive Phantasie und das ursprünglichste) Musikantentum verschmelzen zu einem einzigartigen Werk, das jeder Musikergeneration wieder neu erscheint, wie sich darin auch ganze Jahrhunderte musikalischen Schaffens zusammengedrängt und auf ihren Höhepunkt gebracht finden. In letzter Zeil ist Bach immer mehr in das Zentrum Goldschmidts gerückt: er istdem Koniponistenein stilles, unverrückbares, nie ganz ermeßbares Vorbild. Goldschmidt versucht, ohne ihn zu kopieren, in seiner Gesinnung zu schaffen, einen Teil seines Geistes zu realisieren (wobei einzelne Stilelemente, unbewußt vielleicht, mit eigenen verschmolzen werden). Eine Auseinandersetzung mit palästinensischem Volksgut geht nicht zufällig gerade an diesem Liede vor sich, dessen Motive leicht einen neuen Sinn annehmen und so dem Künstler zu einem Erlebnis im Sinne Johann Sebastian Bachs werden konnten. Es hat den Raum und den Boden für die Auseinandersetzung eines Künstlers der Galut mit einer Schöpfung Palästinas hergegeben, — ein Vorgang, der aus persönlichstem Wirken kommt und nur von ihm allein seine Rechtfertigung erfahren kann. Das NovemberheÖ enthielt u. a.: Israel Bergmann, Das Gesicht der jüdischen Jugend / Selma Siern-Täubler, Die Judenfrage in der Ideologie der Aufklärung und Romantik / J.E.Poritzkv. Erlebnis mit dem toten Anton Tschechow / Bertha Badl-Strauß, Jugendbriefe von Jacob Bemays Im Januarheft schreiben u. a.: Grigori Landau, Schöpferische Diaspora / Hans Bach, Jüdische Selbstbekenntnisse / Johanna Michaelis, Der Golem I Jakob Picard, Der Gezeichnete (Novelle) 411

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