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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 404

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Judäa und die Welt
Date
1935-12-01
Page
404 (sequence 8)
Language
German
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Heinz Warschauer: Judäa und die Welt eröffnet, leitet eine neue, die talmudische Epoche der jüdischen Geschichte ein, während die der Propheten endgültig zu Ende ist und der biblische Kanon abgeschlossen wird. Die Makkabäer als schlichte Kämpfer für die Wiederherstellung des jerusalemer Tempelkults zu betrachten, ist falsch. Gerade daß sie über dieses Ziel weit hinausgingen, ist ihnen von den in apokalyptischen Vorstellungen befangenen Schichten des Volkes übelgenommen worden und hat später das Entstehen des jüdischen Parteiwesens mitbewirkt. Andererseits ist die Bedeutung der Makkabäer als Erhalter und geradezu Neugründer eines spezifisch jüdischen Lebens unbestreitbar. Es zeigt sich wie so oft auch;hier, daß jüdische Geschichte nicht in geistige und weltliche Faktoren aufzulösen ist, sondern daß sich eben beides vereint: zur jüdischen Geschichte. Die jüdische Geschichte ist auf manchen Strecken noch heute wissenschaftliches Neuland, das der Erschließung harrt. Eine große Lücke füllt nun Elias Bickermann mit seinem Buch über die Makkabäer aus, das soeben in der Bücherei des Schockenverlags erscheint. Die Makkabäer-Zeit hat der Wissenschaft in den letzten vierzig Jahren viel zu schaffen gemacht. Die Hauptquellen der Epoche bilden die beiden ersten Makkabäer-Bücher, die zahllose chronologische und urkundliche Probleme stellen. In der wissenschaftlichen Kontroverse erfolgten mit der Zeit alle nur denkbaren positiven und negativen Stellungnahmen, aber immer mehr verlor sich die Wisssenschaft in quellenkritische Fragen. Bickermanns kleine Schrift, der bald, ein größeres Werk folgen soll, erweist sich nun als ein Kabinettstück neuzeitlicher jüdischer Geschichtsforschung. Nur wer die Schwierigkeiten seines Arbeitsgebietes kennt, kann ermessen, welche Fülle von Gedanken und Erkenntnissen hier auf kargem Raum vereint wurden und sich zu dem Gesamtbild einer hundertjährigen Entwicklung runden. Wie Generation um Generation der Weg der Makkabäer anders läuft, wie aus einem instinktmäßig geleiteten Volkskrieg dann nach Jahren die politisch bedingten Feldzüge der Makkabäer-Fürsten erwachsen, wie aus ihrem Kampf gegen den Hellenismus der weltbürgerlich „aufgeklärten" — die Parallele scheint am Platz — Oberschicht ein gekräftigtes jüdisches Volk hervorgeht, das, nunmehr ohne die Gefahr der Selbstaufgabe, die (griechische!) Bildung und Kultur der Zeit frei zu wählen beginnt, wie die ehrgeizigen Fürsten schließlich politisch zu hoch greifen, in innere Schwierigkeiten geraten und unter die Botmäßigkeit Roms gelangen, das alles stellt Bickermann so packend und gegenwartsnah dar, daß man den Atem der Zeit zu spüren glaubt. Der Sieg der Makkabäer im ersten Stadium der Erhebung beruhte, wie Bickermann zeigt, darauf, daß die syrischen Herrscher ihre regulären Truppen damals an anderen Kriegsschauplätzen einsetzen mußten, während die Judäer regelmäßig verloren, wenn diese regulären Truppen dann erschienen. Später kämpften die Makkabäer-Fürsten zum Teil mit fremden Söldnern, konnten also ihre Herrschaft nicht auf den Kräften ihres Landes aufbauen. Und ihr Erfolg beruhte auf einem geschickten, aber zeitbedingten politischen Spiel, das bald schon versagte. Judäa blieb stets ein Land mit beschränkten politischen Möglichkeiten, und bei seiner Kleinheit konnte der Verlust einer Schlacht das ganze Volk gefährden. Man sollte aus der Geschichte lernen. Auch mit dem Blick auf das heutige Palästina gelesen, ist es ein nachdenkliches und wesentliches Buch. 404

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