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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 402

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Judäa und die Welt
Date
1935-12-01
Page
402 (sequence 6)
Language
German
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Heinz Warschauer IV. Judäa um 140 v. Chr. Hier ist nicht der Ort, den Kampf der Makkabäer zu schildern, der nach 25 Jahren einen vorläufigen Abschluß findet. Nur im Umriß kann gezeigt werden, was geschehen ist. Aus dem ursprünglichen Bürgerkrieg entwickelt sich ein Aufstand gegen die syrische Herrschaft, der in eine Zeit schwierigster Thronwirren Syriens fällt und so Erfolg hat. Zwar ist auch dann Judäa noch kein unabhängiger Staat, aber es hat eine ganz andere Bewegungsfreiheit als ehedem. 140 v. Chr. ist Judäa territorial erheblich gewachsen. Es grenzt ans Meer, und Jaffa wird zum Tor der Welt für Jerusalem. Jerusalems Bedeutung als Handelsstadt steigt. Die Leistungsfähigkeit der Makkabäer macht sie zum gesuchten Bundesgenossen jedes Thronkandidaten, und in stetem Parteiwechsel gelingt es ihnen, ihre Stellung mehr und mehr zu festigen. Allerdings ist die Problematik des jüdischen Lebens nicht geringer geworden. Im Kampf um die Freiheit war Juda Makkabi zuerst der ersehnte Führer. Als er aber die Macht an sich zu reißen drohte, fiel man von ihm ab. Da auch ein Freiheitskampf religiös motiviert sein mußte, fragte man sich nach dem göttlichen Mandat Judas. Eine Seite leugnete es, und in dem apokalytischen Buch Daniel, das damals verbreitet wird, findet man wohl Anspielungen auf die Auferstehung der Toten, die für den Namen des Herrn sterben, aber nichts, was auf eine Sympathie für die Makkabäer hindeuten würde. So muß eine Gegenpropaganda einsetzen. Wir finden eine schöne Geschichte im zweiten Makkabäerbuch: Juda teilt vor einer Entscheidungsschlacht seinen Leuten einen Traum mit. Ihm sei der frühere gute Hohepriester Onias begegnet, den ein anderer Mann begleitet habe. Onias habe diesen Mann vorgestellt: es sei der Prophet Jeremias gewesen, der viel für sein Volk und die Heilige Stadt bete. Dann habe Jeremias ihm ein goldenes Schwert überreicht und dabei gesagt: „Nimm in Empfang dieses heilige Schwert, eine Gottesgabe! Damit wirst Du die Macht der Gegner brechen!" Später, als Simon erblicher Hohepriester wird, wächst der Widerstand der jüdischen mittelständischen Schichten, die im Prinzip gegen eine so autoritäre Verwaltung sind, wie sie Simon aufrichtet Simon gehört nicht der Hohenpriester-Familie an. Wenn das Volk ihn erwählt, so ist damit auch die alte aristokratische Herrschaft der Priester gebrochen. Eine ganz neue Periode der jüdischen Geschichte beginnt, in der die Hasmonäer-Dynastie nur ein Zwischenglied ist: die Demokratisierung des jüdischen Lebens. Langsam geht der entscheidende Einfluß in die Hände der Mischna-Lehrer über, die dem Volk näherstehen als die immer 402

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