Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1935)
- Article
- Judäa und die Welt
- Date
- 1935-12-01
- Page
- 400 (sequence 4)
- Language
- German
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Heinz Warschauer III. Der Konflikt Regierungswechsel sind in den hellenistischen Staaten sehr häufig mit Ernennungen aller Art verknüpft. Als Antiochus Epiphanes König wird, begibt sich ein Vertreter des „Neuen Kurses" aus der Hohenpriester-Familie nach Antiochia, um die Hohepriester- Würde zu kaufen. Es gelingt ihm, und der amtierende Hohepriester muß weichen. Wichtiger aber ist, daß dieser neue Hohepriester in Verhandlungen tritt, um die Einrichtung einer Polis in Jerusalem selbst zu erwirken. Diese Möglichkeit ist der einzige Ausweg aus dem Dilemma, in dem sich die Patrizier befinden. Auch dieses Vorhaben gelingt, und nun wird Jerusalem hellenisiert. Bis schließlich aktiver Widerstand geleistet wird, vergehen noch Jahre. Die Erbitterung erreicht in dieser Zeit ein ungeheures Maß. Aber in Jerusalem hat man eine Burg gebaut, in der eine Garnison steht, und nun wird mit Terror und Gewalt regiert. Erst als man, um den Widerstand der „barbarischen" Landbevölkerung zu brechen, den jüdischen Kult abzuschaffen und durch einen neuen zu ersetzen versucht, kommt es zum Aufruhr. Gewalt wird mit Gewalt und Terror mit Terror beantwortet. In diesem Kampf im Dunklen tut sich eine Familie besonders hervor: die Familie der Makkabäer. Sie sind priesterlicher Abstammung und nicht ohne Vermögen. Aber sie leben auf dem Land inmitten der geplagten Bevölkerung. Und sie kämpfen für die Sache ihres Volkes. Was sie im letzten antreibt, ist schwer zu ergründen. Besonderen Ruhm im Volk gewinnen Juda und Simon. Die im ersten Makkabäerbuch mitgeteilten Jubellieder, die sie verherrlichen, lassen erkennen, daß sie nicht zu der weitabgewandten Schicht gehört haben und daß ihre religiöse Betätigung sich in mäßigen Grenzen hielt. 166 v.Chr. nimmt Juda den offenen Kampf auf, und 140 v. Chr. ist Simon Volksfürst und erblicher Hohepriester. Ihr Wesen wird in den erwähnten Hymnen eindrucksvoller geschildert, als wir es vermögen*). Juda Dem Löwen gleich war er in seinen Taten, Dem jungen Löwen, wenn er brüllt nach Beute! Abtrünnige erspähte er, — verfolgte sie; Des Volkes Quäler warf er in die Flammen. Treulose hatten Furcht vor ihm und wurden klein, Erbeben mußten alle Obeltäter, Und es gelang ihm, Heil zu wirken. *) In der — nur auf wörtliche Wiedergabe gerichteten — Übersetzung folgen wir H. Bevenot: Die beiden Makkabäerbücher, Bonn 1931. 400