Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1935)
- Article
- Judäa und die Welt
- Date
- 1935-12-01
- Page
- 397 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895548-2905534--08430-2905585- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Heinz Warschauer: Judäd Und die Welt Das Ringen der ersten Makkabäer nm einen neuen Staat I. Im Schatten Roms Die weltgeschichtlichen Krisen sind auch die Krisenstunden des jüdischen Volkes. Seine Geschichte ist nur im Rahmen der? allgemeinen Geschichte zu verstehen, und erst in ihrem Zusammenhang wird das Besondere und Einmalige jüdischen Schicksals deutlich. So ist das Verständnis der Makkabäergeschichte gebunden an das Wissen um die geschichtliche Wende, die sich damals am Mittelmeerraum vollzog. Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert vollzieht sich der Aufstieg Roms zur vorherrschenden Macht der geschichtlichen Welt, der Niedergang der hellenistischen Staaten in Makedonien, Ägypten und Syrien, und der Untergang Karthagos. 190 v. Chr. siegt Rom über Syrien. Judäa, das wenige Jahre zuvor an dieses Syrien gefallen war, steht so von Anfang an in einem Reiche, dessen Lebensuhr im Ablaufen begriffen ist Die hellenistischen Staaten, das Erbe Alexanders, geraten in innere Wirren. Thronstreitigkeiten beherrschen das Feld, unterworfene „barbarische" Völker sinnen auf Abfall, und Rom gewinnt an Macht. 168 v. Chr. schlägt L. Aemilius Paullus den letzten gefährlichen politischen Gegner, Makedonien, aus dem Feld, und 146 v. Chr. zerstört dessen Sohn, Scipio Aemilianus, Karthago, und damit ist die römische Wirtschaft ohne Wettbewerb. Während dieser ganzen Zeit aber hat Rom seine Hand in dem Spiel, das in Syrien ausgefochten wird: jede kleine abfallende Stadt und jede um Freiheit ringende „barbarische" Völkerschaft findet seine Unterstützung. So ist es nicht verwunderlich, daß auch Judäa Roms Fürsprache findet, und ohne Roms großen Krieg hätte Judäa nie sich aus einer unbedeutenden Unterprovinz Syriens in ein recht unabhängiges Fürstentum verwandeln können. II. Judäas Lage vor der Erhebung Judäa ist um 170 v. Chr. ein kleines Land. Es umfaßt nicht viel mehr als das Bergland um Jerusalem herum und ein Stück der Jordanniederung. Jerusalem hat längst nicht mehr die Bedeutung früherer Zeiten. Da Häfen und wichtige Handelsstraßen in fremder Hand sind, ist seine wirtschaftliche Stellung gering, und 397