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Der Morgen · 1935-12-01 · Heft 9 (Dezember 1935) · p. 391

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 9 (Dezember 1935)
Article
Zum Neuaufbau des jüdischen Musiklebens
Date
1935-12-01
Page
391 (sequence 9)
Language
German
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Arlur Holde: Was unterscheidet orientalische von europäischer Musik? Bänden gesammelt hat, kritisch vorsichtig an die Synagoge heranbringen, man hat durch Schallplatten Gelegenheit, orientalische Musik zu hören, man kann sich anregen und befruchten lassen zu freiem Schaffen- So ist auch die grandiose Blüte der christlichen Kirchenmusik entstanden. Warum sollte nicht eine Blüte der synagogalen Musik möglich sein, wenn nur endlich einmal die jungen jüdischen Komponisten in der Synagoge nicht kritischem Hohngelächter der älteren und reaktionären sogenannten Sachverständigen, sondern freundlichem Verständnis der Synagogenbesucher begegnen würden. Man könnte dann wohl einen neuen jüdischen Musikstil aus dem Geist und dem Wesen des Tempels heraus finden, von dem die heutige Synagogenmusik in ihrer leeren Romantik: nichts enthält. Wenn nicht bald neues Blut und neue Kraft in sie; hineinströmen, geht sie als Kunsterscheinung zugrunde. Vor allem aber muß sie von einer bewußt-jüdischen Gesinnung getragen sein,, von einer innerlich religiösen, die dem allergrößten Teil der bisher, in der Synagoge zu Gehör gebrachten Musik fehlt. Zu warnen ist vor der Einführung ganzer, von einem Komponisten neu komponierter Gottesdienste, so verdienstlich diese Versuche auch sein mögen. Es besteht die Gefahr, daß dadurchwieder für Generationen die synagogale Musik auf einen bestimm-s ten Stil festgelegt und dieser dann „Tradition" wird. Es ist im; übrigen möglich, daß von einer lebendigen synagogalen Musik her das Schaffen der jüdischen weltlichen Musiker befruchtet wird,, wie es im Laufe jeder Musikentwicklung geschehen ist. Eine Wechselwirkung wäre möglich, eine Zukunftsaussicht besteht auch hier. Eine solche synagogale Musik wird in Verbindung mit einer musikalischen Gemeinschaftskultur auch das Musikleben der Juden in Deutschland aktivieren und ihnen, auf sich gestellt, in einem gewissen Räume eine eigene Musikkultur mitschaffen helfen. Artur Holde: Was unterscheidet orientalische von europäischer Musik? Zu den verhaltenen, in leichter, wiegender Bewegung abgleitenden Klängen eines palästinensischen Hirtenliedes stehen abgerissene, auf nur wenige Töne begrenzte dumpfe Klagelaute aramäischer Juden mit ihrem düsteren Pathos in merkwürdigem Gegensatz. Diesen Gesängen stellt sich wieder die aus ganz anderen Seelenbezirken stammende, aufreizend scharf akzentuierte Horra- Melodie entgegen, mit der lebensfrohe jüdische Jugend ihren Tanz begleitet: drei weit voneinander getrennte Gefühlswelten, die in den Tönen grundverschiedenen Ausdruck finden. 391

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