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Der Morgen · 1935-11-01 · Heft 8 (November 1935) · p. 376

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 8 (November 1935)
Article
Bild eines Philosophen [Rezension]
Date
1935-11-01
Page
376 (sequence 2)
Language
German
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Schocken - Bücherei, Nr. 33/34, neu erschienen ist, ist für uns Heutige die schlüssige Antwort auf die drängende Frage „Warum Aufklärung?". Daß aus dem Segen des Aufklärungszeitalters auch mancher Fluch hervorgegangen ist, ist eine Weisheit, an der jetzt jeder teil hat. Wer wissen will, worin Sinn und Notwendigkeit dieses heute wenig geschätzten Zeitalters gelegen haben, wird gut tun, zu Maimons Lebensgeschichte zu greifen. Er wird dann wissen, daß die Aufklärung die lebendige Antwort starker Menschen auf eine Geisteslage gewesen ist, die sie zu ersticken drohte. Nach Erscheinen der „Geschichte des eigenen Lebens" ist Maimon das Gesprächsthema der Berliner Salons. Man kennt ihn: oft zieht er, begleitet von einem Hund zweifelhafter Rasse, Belline, von einem Schanklokal ins andere. Er ist kratzbürstig, den Frauen gegenüber von bestrickender Unhöflichkeit, mißtrauisch, nur seinen wenigen Freunden näher verbunden. In diese Epoche fällt seine eigentliche, auch heute noch wissenschaftlich anerkannte philosophische Arbeit. Jüdisch gebunden kann man Maimon nicht nennen. Sein früher Bruch mit der Lebenstotalität des Ghettos war im Grunde der Bruch mit allem Judentum überhaupt. Seine Zeitgenossen empfanden, daß er in einem falschen Lebenskreis zur Welt gekommen sei. Hatten sie recht? Heute wissen wir, daß das Judentum um seiner Zukunft willen durch das abendländische Denken gehen mußte — ein Weg, an dessen Rändern viele Opfer liegen geblieben sind. Maimon ist im Grunde ein gefallener Patrouillengänger des jüdischen Volkes. Wäre das jüdische Volk damals reif gewesen, die Schranken des Rabbinismus zu sprengen und die erstarrte Einheit von Rabbinismus und jüdischem Volk zu lösen (um sie vielleicht in später Zeit einmal neu zu gründen!), so hätte Maimon nicht zu fallen brauchen. Aber der Weg der geistigen Menschen ist nun einmal ein Opfergang, und Nietzsche hat recht, wenn er die Untergehenden als die Hinübergehenden preist und liebt. Heinz Warschauer Rechtswege in Palästina. Schriftenreihe der Hitachduth Olef Germania, Heft 1. Tel-Aviv 1935 bei Vivtor and Landau. Der juristische Laie hat gemeinhin von dem Recht, unter dem er lebt, mehr Vorstellung, als ihm klar bewußt ist. Nur sind ihm diese Dinge Selbstverständlichkeiten, über die er nicht weiter nachdenkt. Kommt er in ein anderes Land, so lernt er zu seinem Schaden, daß ihm das Recht dort fremd ist. Es ist deshalb ein guter Gedanke gewesen, einführende Aufsätze über das so vielfache Besonderheiten zeigende Recht Palästinas in einem Sammelbande zu vereinigen. Elf Juristen aus Deutschland, die jetzt in Palästina leben, geben über eine Reihe der wichtigsten Gebiete auf kurzem Räume in gutem Sinne populäre Auskunft. Hervorzuheben sind die Ausführungen Karl H i 1 b s über die familien- und erbrechtliche Stellung deutscher Staatsangehöriger in Palästina und Georg S an d 1 e r s über das Bodenrecht. Die kleine Schrift verdient weite Verbreitung. Hans Kaiisch 376

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