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Der Morgen · 1935-11-01 · Heft 8 (November 1935) · p. 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 8 (November 1935)
Article
Drei Kalender für das Jahr 5696 [Rezension]
Date
1935-11-01
Page
374 (sequence 2)
Language
German
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geben. Alle drei, von gleicher Güte der äußeren Ausstattung, erfüllen die Aufgabe eines zeitgemäßen jüdischen Kalenders, alle drei geben ein lebendiges Bild jüdischen Schaffens unserer Tage. Heinz Berggrün Prof. Dr. Franz Landsberger, Einführung in die judische Kunst, Philo-Verlag, Berlin 1935. Eine Einführung in die jüdische Kunst, die mehr sein will als die hier in übersichtlicher Weise gebotene Materialzusammenstellung, führt zwangsläufig zu einem Deutungsversuch, zu der Frage, wie sich Triebkräfte und schöpferische Fähigkeiten jüdischen Geistes künstlerisch-formal auswirken. Stilgeschichtliche Untersuchungen, die im allgemeinen den ersten Zugang zu dieser Frage nach der künstlerischen Form eröffnen, müssen hier versagen. Denn aus dem lückenhaften Material lassen sich die spezifischen Wandlungen im Ablauf der Zeit schwer nachweisen; noch weniger kann man die relative Stetigkeit eines Kunstcharakters aufzeigen bei einem Volk, dem die wesentliche Bindung des Bodenständigen fehlt. Man kann rückblickend auch nicht einmal von einer Stetigkeit der seelischen Haltung sprechen. Wir haben den Handwerker, der in rührendem Kunstfleiß hinter Ghettomauern Kultgegenstände arbeitete, und wir haben den emanzipations- und assimilationsfreudigen jüdischen Künstler des 19. Jahrhunderts, für dessen Schaffen in bewußter und betonter Angleichung an die Umwelt die jüdische Bildung unerheblich wurde: diese beiden heterogenen Typen lassen sich nicht unter gemeinsamen Gesichtspunkten betrachten. Gerade in dem Zeitpunkt, in dem der Jude, aus der Ghettoenge befreit, seine menschliche und künstlerische Persönlichkeit entdeckte, verspätet seine „Renaissance" erlebte, lockerten sich auch die inneren Bindungen, aus denen eine spezifisch jüdische Kunst hätte erwachsen können. Anders ist die Situation in Gegenwart und Zukunft. Heute haben wir Künstler, die bewußte Juden, Exponenten einer Gemeinschaft sind, die in tieferem Sinne jüdisch schaffen können, eine Kunst, die man aber langsam ausreifen, nicht künstlich züchten soll. Dem mit dem Rüstzeug des geschulten Kunsthistorikers ausgestatteten Verfasser ist neben der Fähigkeit zur stilgeschichtlichen Zusammenschau auch das wägende Urteil und das geschärfte Auge für die Unterschiede rein formaler Natur eigen. Alle die weittragenden Probleme werden im Rahmen des knapp sachlich gefaßten Buches berührt. Man kann daraufhin kein abschließendes Urteil erwarten, das vorläufig nur ein Abgleiten ins Vage und Allgemeine bedeuten könnte. Viel wertvoller ist die statt dessen gegebene Fülle von klugen Einzelbeobachtungen, zu denen beharrliches Sehen und klares Denken geführt haben. Das Buch mit dem reichhaltigen, guten, treffend gewählten Abbildungsmaterial ist durchaus geeignet, Ausgangspunkt und Anregung für weitere ernste Forschungen zu sein. Margarete Steinberg In Nr. 6/7, S. 287, wurde die Zahl der holländischen Juden irrtümlich mit 12000 angegeben; sie beträgt rund 135000. 374

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