Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1935-11-01 · Heft 8 (November 1935) · p. 373

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 8 (November 1935)
Article
Drei Kalender für das Jahr 5696 [Rezension]
Date
1935-11-01
Page
373 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895539-2895547-2905453--08394-2905518
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Drei Kalender für das Jahr 5696 Der Kalender ist das Stiefkind des Almanachs. Er kann noch so geschmackvoll ausgestattet sein, noch so schöne Illustrationen und wertvolle Texte enthalten — schonungslos reißt man die Blätter herunter, wenn die Tage, die sie anzeigen, verstrichen sind. Wer käme auch auf den Gedanken, einen Kalender wie einen Almanach zu „lesen" und dann säuberlich zu den anderen Büchern zu stellen? Und dennoch — die Kalender, die von den verschiedensten Organisationen der Öffentlichkeit zum neuen jüdischen Jahr übergeben wurden, verdienten es. Da ist zunächst der vom Jüdischen Frauenbund herausgegebene Kunstkalender, der in diesem Jahr als einheitliches Thema für die in ihm enthaltenen Bildreproduktionen und Texte die „Jüdische Arbeit" wählte. Bilder von Liebermann, Pissaro, Israels, Pascin und anderen bedeutenden Malern, die Motive der Arbeit zum Gegenstand haben, geben neben Photographien jüdischer Arbeitsstätten in allen Ländern der Welt ein eindrucksvolles Bild von der Arbeit. Der Jüdische Frauenbund wird durch diese wertvolle Produktion, die, indem sie Bilder der Arbeit festhält, zugleich ein Bild seiner eigenen Arbeit gibt, den Kreis seiner Freunde erweitern. Auch die beiden anderen Kalender, die für das Jahr 5696 erschienen, sind einem einheitlichen Thema gewidmet. Der von der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin herausgegebene Kalender enthält Bilder und Verse lebender jüdischer Künstler. Sie sind nicht nur Illustration und Schmuck des Kalendariums, sondern vermitteln darüber hinaus einen Eindruck von der jüdischen Kunst unserer Zeit. Wenn dabei die Reihe der Bilder nur von wenigen Gedichten unterbrochen wird, so ist das kein Zufall, sondern ein Symptom dafür, daß die lyrische Ausdruckskraft jüdischer Dichter in deutscher Sprache längst nicht mehr auf der Höhe steht, die sie noch vor zwanzig, noch vor zehn Jahren innehatte. Aufschlußreich sind die erläuternden Texte, die Fachkenner wie Franz Landsberger, Max Osbornu. a. zu den Bildern schrieben. Sie bestätigen das, was dem unbefangenen Betrachter der Reproduktionen zur Gewißheit wird: daß die Quellen jüdischer Kunst nicht versiegt sind, daß aus Tradition und Gegenwartserlebnis schöpferische jüdische Kunst neu entsteht. Der dritte Kalender, der uns vorliegt, wird von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland herausgegeben. Sein Thema heißt: Palästina. Dieser Kalender ist ein Musterbeispiel für kluge und geschmackvolle Werbung. Unter den vielen Broschüren und Bildwerken, die in der letzten Zeit über Palästina erschienen, ist kaum ein Buch, das einen ebenso plastischen Eindruck von dem Land vermittelt. Übersichtliches Zahlenmaterial über Arbeit und Aufbau in Palästina, Aussprüche führender Zionisten und vor allem herrliche Bilder von Nachum Gidal —, das alles ist von Joachim Prinz geschickt zusammengestellt worden. Es fiele schwer, einem der angezeigten Kalender den Vorzug zu 373

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.