Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 8 (November 1935)
- Article
- Die Kirche aus Juden und Heiden [Rezension]
- Date
- 1935-11-01
- Page
- 369 (sequence 3)
- Language
- German
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und Juden nacheinander) unter Ungehorsam eingeschlossen hat, damit er sich aller (d. h. der Heiden und der Juden nacheinander) erbarmen könne" —, eine Erklärung, die das sich steigernde, üb erschwingliche Handeln des göttlichen Erbarmungsgeheimnisses meint, wie es im Geheimnis der Kirche aus Juden und Heiden leuchtet. Die vorstehenden Äußerungen beschränken sich auf den theologischen Kern der Schrift Die Fülle ihrer politischen Ausblicke als das notwendige Korrelat echter theologischer Interpretation — theologische Begriffe sind mindestens so konkret wie politische, und die Existentialität dieser wurzelt in der Existentialität der ersteren — blieb unberücksichtigt. Vor allem aber kann auf den selbstverständlichen prinzip iellen Einwand von jüdischer Seite gegen die Auffassung der Synagoge als eines bloß natürlich-soziologischen Gebildes, einer bloß menschlichen congregatio im Gegensatz zur evocatio der Ekklesia, wie sie Peterson im Anschluß an die Patristik vollzieht und auf der die paulinische Unterscheidung der beiden Ordnungen ruht und damit seine ganze Polemik, hier nur hingewiesen werden. Annie G. Kraus Elbogens „Geschichte der Erich Lichtenstein Vielleicht werden nachwachsende Geschlechter es dereinst als eine tragische Paradoxie empfinden, daß gerade zu einem Zeitpunkt, wo schwere Geschehnisse die Existenz der Juden in Deutschland überschatten, zum ersten Mal eine wissenschaftliche Darstellung ihrer Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart unternommen und geleistet wurde. Wann schreibt man Geschichte? In einem Zeitpunkt, wo das Rad des Geschehens scheinbar auf einen Lebensgipfel im Dasein der Völker hinaufgerollt ist, — so ist Ranke in einer Epoche, die er selber „halkyonisch" nannte, zum Seher der Zeiten und Völker geworden, — oder schreibt man Geschichte in einer Zeit der Krise oder gar Katastrophe: gerade so wie Thukydides in einer sinkenden Zeit die Geschichte des heroischen Niederbruchs seiner Vaterstadt aufzeich- Jaden in Deutschland" Verlag, Berlin 1935 nete? Wann wird man fähig, Geschichte zu erleben? Müssen wir Menschen erst durch vieles Leiden innerlich dazu aufbereitet werden, oder benehmen gerade die „Zeiten der Wirren", von denen George spricht, uns die Ruhe der Überschau, des Nachdenkens über die geschichtlichen Dinge? Diese beunruhigenden und schwer beantwortbaren Fragen drängen sich einem angesichts der „Geschichte der Juden in Deutschland" unabweislich auf, die wir aus der Feder I s m a r Elbogens erhalten haben. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat die jüdische Intelligenz in Deutschland eine derartige Geschichtsdarstellung vergeblich erhofft. Viele streckten nach dem großen Gegenstande ihre Hände aus; nunmehr mag Elbogen es auf der Höhe des Lebens und Schaffens als ein hohes Glück empfinden, daß die Lösung der Aufgabe 369