Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 8 (November 1935)
- Article
- Die Judenfrage in der Ideologie der Aufklärung und Romantik
- Date
- 1935-11-01
- Page
- 348 (sequence 10)
- Language
- German
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oiga Bloch: Jüdische Kunstsammler Die Geschichte des jüdischen Kunstsammelns in Deutschland hat eine längere Tradition als man annehmen sollte. Sie geht bis in das Zeitalter der Hoffaktoren zurück. Diese, gewohnt, neben den Bedürfnissen der Fürsten auch deren Launen zu befriedigen, wären schon durch häufige Aufträge auf das Gebiet des Kleinkunstgewerbes verwiesen worden, wenn sie nicht selbst schon die Gewohnheit gehabt hätten, einen Teil ihres Vermögens in unruhigen Zeitläuften in Gold- und Edelsteinarbeiten anzulegen. Aus dem Umgang mit diesen oft kostbaren kleinen Kunstwerken ergab sich die Freude daran und der Wunsch, sie zu sammeln. Der Große König sammelte seine persönlichen Lieblinge: Bilder von Watteau, Lancret und Pater, im Gegensatz zu den Kunstfreunden der Zeit, die die Bauernszenen der Holländer liebten. (Fortsetzung von Seite Sh7) Wahrheit, die Mittlerin der feindlichen Welten, die Versöhnerin aller Gegensätze und Konflikte, so war sie allein auch imstande, das Besondere mit dem Allgemeinen, das Individuum mit der Menschheit, die Nation mit der Welt zu verbinden. Und diese Rolle, die die Wissenschaft in der Vorstellung der Zeit spielte, konnte sie auch dazu befähigen, das Judentum wieder zum Bewußtsein seiner selbst zu bringen und gleichzeitig mit der Umwelt zu versöhnen, den europäischen Organismus durch die jüdische Idee zu bereichern, ohne die Juden zum Verzicht des ihnen eigentümlichen Wesens zu zwingen. „Aufgehen ist nicht untergehen. Nur die störende und bloß auf sich reflektierende Selbständigkeit soll vernichtet werden, nicht die dem Ganzen untergeordnete; der Totalität dienend, soll es sein Substantielles nicht zu verlieren brauchen. Das, worin es (d. h. das Judentum) aufgeht, soll reicher werden um das Aufgegangene, nicht bloß ärmer um den verlorenen Gegensatz" (E.Gans). Es war dem Kulturverein nicht vergönnt, seine große und ideale Aufgabe zu Ende zu führen. Er scheiterte an der Gleichgiltiglceit, der Gedankenlosigkeit und Interesselosigkeit des jüdischen Publikums. Die Juden und das Judentum, das er rekonstruieren wollte, waren zerrissen, ohne Halt und die Beute der Barbaren, Narren, Geldwechsler, Idioten und Parnassim, wie Zunz in jenen Tagen voller Bitterkeit bekannte. Die Auflösung des Kulturvereins vollzog sich in der gleichen Zeit, in der mit dem Niedergang der romantischen Strömung und dem Sieg der liberalen Idee die Judenverfolgungen aufhörten, und in der ein kurzsichtiges Geschlecht wähnte, daß das Ende seiner Leiden nunmehr gekommen sei. 348