Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 8 (November 1935)
- Article
- Umschau
- Date
- 1935-11-01
- Page
- 329 (sequence 1)
- Language
- German
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DER MORGEN / MONATSSCHRIFT DER DEUTSCHEN JUDEN BEGRÜNDET VON PBOFESSOR DB. JULIUS GOLDSTEIN, DARMSTADT 11. JAHRGANG NOVEMBER 19S5 HEFT 8 Umschau Die auf dem Nürnberger Parteitag erlassenen neuen Gesetze stellen das ganze Leben der in Deutschland lebenden Juden nicht nur vor neue Aufgaben, sondern auf eine neue Ebene. Wenn dabei die deutsche Reichsregierung nach den Worten des Führers und Reichskanzlers beherrscht war „von dem Gedanken, durch eine einmalige säkulare Lösung vielleicht doch eine Ebene schaffen zu können, auf der es dem deutschen Volke möglich wird, ein erträgliches Verhältnis zum jüdischen Volke finden zu können", so regeln diese Gesetze doch zunächst nur die Gebiete, auf denen Beziehungen dem deutschen Volke nicht erwünscht sind. Der positive staatsrechtliche Grundgedanke erscheint in der Gesetzgebung selbst nicht, wird aber in einem Kommentar des Hauptschriftleiters des Deutschen Nachrichtenbüros mit dem Begriff der „Minderheit" umschrieben. Jüdische Minderheiten unterscheiden sich von anderen nationalen Minderheiten dadurch, daß hinter ihnen nicht ein Stammland steht, das für ihre Interessen eine tatsächliche Macht aufbieten könnte. Aber gerade große Staaten haben sich selbst da Grenzen gesetzt, wo keine äußere Macht, wo nur das eigene Gewissen sie ihnen setzte. Und gerade bei Lösungsversuchen, die auf lange Zeiträume angelegt sind, sprechen nicht nur ethische Begriffe mit, die im Laufe der Zeiten manchem Wechsel unterworfen sind, sondern auch wohlerwogene Interessen der völkischen Mehrheit selbst. Ein seiner geistigen Anlage nach so konsequenter und 329