Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1935)
- Article
- Rabbiner Dr. Max Dienemann zum 60. Geburtstag
- Date
- 1935-09-01
- Page
- 323 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2895450-2895539-2895546--08322-2905421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Rabbiner Dr. Max Dienemann zum 60. Geburtstag Max Dienemanns 60. Geburtstag wird im ganzen deutschen Judentum gefeiert werden. Denn die Verdienste dieses allseitig verehrten Mannes betreffen die verschiedensten geistigen und menschlichen Gebiete. Der „Morgen" gedenkt vor allem dankbar der engen Gemeinschaft, die zwischen Max Dienemann und der Zeitschrift seit ihrer Begründung besteht. Daß Dienemann in den Jahren nach dem Tode Julius Goldsteins ihr verantwortlicher Leiter wurde, bildete eigentlich nur noch die äußere Bestätigung einer Tatsache, die in langjähriger geistiger Befruchtung und maßgebücher Anteilnahme an der Redaktionsarbeit schon längst ihren Ausdruck gefunden hatte. Einer großen Reihe der schriftstellerischen Arbeiten Dienemanns durfte daher der „Morgen" als Sprachrohr dienen. Sie zeugen in der Vielfalt der behandelten Themen wie in der Art der Durchführung von jener Wachheit und Elastizität des Jubilars, die ihn vor allem auszeichnet. Max Dienemann ist mit seinen sechzig Jahren im besten Sinne jung geblieben. Wir bewundern an ihm die Aufgeschlossenheit, mit der er sich jedem von der Zeit neu aufgeworfenen Problem stellt, und das Verantwortungsgefühl, das seine Lösungsbeiträge auszeichnet. Er ist trotz seines strengen Dienstes an der religiös-liberalen Bewegung niemals ein enger Parteimann geworden; davor bewahrt ihn die Weite seiner Pflichtauffassung. Für ihn gibt es kein Ausweichen vor irgend einer Frage oder Aufgabe, führe sie auch noch so weit ab von der ausgetretenen Bahn. So baut er Brücken von einer jüdischen Richtung zur andern. Der Allgemeine Rabbinerverband besitzt in Dienemann einen Schriftführer, der in all den Fragen und Nöten des rabbinischen Amtes den Kollegen hilfreich -zur Seite steht. Dem Liberalen Rabbinerverband ist er vor allem ein wichtiger geistiger Mittler zwischen dem religiös-liberalen Judentum in Deutschland und dem ebenso gerichteten Judentum Englands und Amerikas. Einen wertvollen Beitrag zur theologischen Arbeit hat Dienemann vor allem mit seinem im Jahr 1919 in 2. Auflage erschienenen Buch „Judentum und Christentum" gegeben. Aber die Theologie, die das Amt des Rabbiners betrifft, charakterisiert das Amt des Rabbiners nicht erschöpfend: Dienemann ist in allen seinen Verdiensten — Rabbiner. Zwar gehört er zu den Rabbinern in Deutschland, „von denen man spricht"; aber da die Tätigkeit des Rabbiners dort am segensreichsten ist, wo sie in der Sphäre der Anonymität bleibt, wo sie sich von Mensch zu Mensch auswirkt, weiß im letzten wohl mir seine eigene Gemeinde, was sie ihrem Rabbiner zu danken hat. Von verschiedenen Seiten her wird die Würdigung Max Dienemanns zu erfolgen haben. Wir grüßen den Menschen und Denker, den wir kennengelernt haben und den wir deshalb verehren. 323