Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1935)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1935-09-01
- Page
- 322 (sequence 3)
- Language
- German
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sind unwichtig im Vergleich zu fehlenden Namen wie Kurt Weill, Karol Rathaus, Egon Wellesz, Paul Dukas, Jaromir Weinberger, von jüngeren Begabungen ganz zu schweigen. Einen Mann wie Joel Engel (der im Hauptberuf Musikkritiker war) muß man mit Komponisten wie Alexander Krein u. v. a. in eine besondere Rubrik — betont jüdische Komponisten — stellen; auch Schalit gehört hierher. Offenbach, ein Genie unter den jüdischen Musikern, kann nicht nur, mit kleinsten Namen zusammen, unter Operettenkomponisten eingereiht werden. Was tut der Hamburger Pianist Abramowitsch da, wo Namen wie Godowsky, Serkin, Osborn u. v. a. entbehrt werden müssen? Neben Frenkel hätte man ruhig Wolfsthal nennen können. Bei den vielen großen jüdischen Geigern ist allerdings die Auswahl schwer. Leopold Auer, der Lehrer so vieler Lebender, darf nicht fehlen. Ein paar Quartette wie Rose und Kolisch könnten hinzukommen. Unter den Dirigenten fehlen Gustav Mahler und noch andere wichtige. Dem Namen von Leo Kestenberg, dem glänzenden Musikorganisator und -pädagogen, möchte man gerade in diesem Buch gern begegnen. Fachliteratur: warum Naumann- Schmitz's Musikgeschichte, wo wir doch die kleine, prägnante und geistreiche von Alfred Einstein, die größere von Dommer-Schering und das umfassende Handbuch von Guido Adler besitzen? Zur jüdischen Musik: bei vielen kleinen unwesentlichen Aufsätzen fehlt die Nennung der (englisch geschriebenen) Musikgeschichte von Idelsohn. Einzelheiten der Kritik sollen, den Gesamteindruck nicht verdecken. Wir wollen deshalb noch einmal betonen, daß „Hawa naschira" ein sorgfältiges, in der Auswahl vortreffliches, zu gelegener Zeit erschienenes Liederbuch ist, das den Forderungen der drei Institutionen Bund, Schule, Haus im großen und ganzen vollauf gerecht wird. Hans Nathan Arthur Dix, Raum und Rasse in Staat und Wirtschaft. Edwin Runge-Verlag, Berlin 1934. Das kleine Buch von Arthur Dix erinnert auffallend an die Berlin— Bagdad-Broschüren von Karl Ritter und anderen kurz vor und während des Weltkriegs erschienenen oder an manche unter den zahlreichen geopolitischen Schriften von Paul Rohrbach. Dix selbst verweist als Vorbilder für seine Betrachtungsweise auf Ratzel, Kjellen und Haushofer. Er reitet mit seinen weitausgreifenden Gedanken alle imperialistischen Fronten der Zeitgeschichte ab und versucht ihnen gegenüber das Idealbild einer zu erstrebenden ,,rumpfeuropäischen"Großmachtstellung unter deutscher Führung abzuzeichnen. Das ist psychologisch hochinteressant; was aber praktisch dabei herauskommen wird, weiß weder der Verfasser noch der Rezensent. Eins ist jedenfalls richtig gesehen: daß Stellung und Gegenstellung in der Weltpolitik unserer Tage eine unheimliche Wendigkeit haben und daß sie gleichwohl von nicht zu beseitigenden räumlichen Gesetzen abhängig sind. Einige, glücklicherweise nur sparsam eingestreute Schiefheiten über „jüdische Einflüsse" rückt sich der jüdische Leser von allein zurecht. Ca. 322