Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1935)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1935-09-01
- Page
- 321 (sequence 2)
- Language
- German
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nen, die im allgemeinen palästinensisch genannt werden — sie werden mehr von denen, die sich auf Palästina vorbereiten, ais von Palästinensern selbst gesungen — gibt es eine Anzahl bezaubernder, von eigenem, wirklich neu-palästinensischem Charakter. Und sehr schöne Nigunim und Horrot. Es ist nur schade, daß nicht mehr getragene, solistische Lieder aufgenommen werden konnten; man hätte dann gerade die schönsten palästinensischen Lieder — die Hirten- und Wächterlieder — drucken können. Es ist nicht viel Neues unter alledem; für die meisten Bünde bedeutet das Buch nur eine Festigung ihres Liederbesitzes. Aber sicher wird es da und dort doch noch Entdeckungen geben. Es bleibt das Verdienst von Jakobsen und Jospe, so manches zum ersten Male notiert und damit auch denen zugänglich gemacht zu haben, die an der mündüchen Tradition der Bünde nicht teilhaben können. „Hawa naschira" enthält auch sehr viele schöne Beispiele deutscher Lieder, — von jiddischen einige der bis jetzt hier unbekannten Kinderlieder von Engel, dann einige der kürzlich populär gewordenen und neue. Die Anordnung geht vom Inhalt aus, d. h. „den drei Bezirken des jüdischen Weltbildes: Mensch, Natur, Gott". Ein derartiges Prinzip, zu dem die Herausgeber, wie sie im Vorwort schreiben, durch Franz Rosenzweigs „Stern der Erlösung" angeregt wurden, ist interessant, aber auch diskutierbar. Innerhalb dieses allgemeinen mehr literarischen Rahmens, steht dann eine Einteilung nach praktischen Gesichtspunkten. Das Buch unterscheidet sich in einigem wesentlich von anderen jüdischen Liederbüchern. Erstens liefert es zu ein und demselben Text oft mehrere Melodien, dann enthält es auch mehrstimmige Lieder: hebräische Kanons, zweistimmige palästinensische Lieder, dann dreistimmige, sehr ordentliche (von Jospe besorgte) Bearbeitungen jiddischer und deutscher Lieder. Am Ende des Buches steht ein Teil „Zur Musikkunde". Die Darlegung der Elemente der Musik (für Laien) ist übersichtlich und verständlich, wenn auch die Hilfe des Lehrers in diesen schwierigen Fragen nicht entbehrt werden kann'. Die gut merkbare, pädagogisch gemeinte Formulierung: Noten sind Klingezeichen, Pausen sind Schweigezeichen, ist nur für Kinder brauchbar. Älteren muß gerade bedeutet werden, daß in musikalischen Pausen nicht geschwiegen, d. h. vom Gespräch geruht wird, sondern daß sich da oft mehr abspielt als im Vorangehenden und Folgenden. Die Übersichtstabelle „Zur Geschichte der Musik bei den Juden" ist zum größten Teil verwendbar. Für die nächste Auflage wünschen wir uns eine Verbesserung, auch für die Angaben der Fachliteratur. Manches Überflüssige steht da, manches Wichtige fehlt. Wenn man sich nur auf die Nennung einzelner Namen und Tatsachen beschränkt, dann muß man die wesentlichen zuerst erwähnen. Man kann gewiß Händeis Oper „Athalia" verzeichnen; seine Oratorien mit jüdischen Stoffen dürfen dann aber nicht vergessen werden. Komponisten wie Stephen Heller, Moszkowski, Müller-Hartmann,Waghalter, Edvard Moritz, J. Weinberg 321