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Der Morgen · 1935-09-01 · Heft 6-7 (September 1935) · p. 319

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 6-7 (September 1935)
Article
Moritz Heimann
Date
1935-09-01
Page
319 (sequence 3)
Language
German
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hält sich vor, allen parteimäßig geformten Äußerungen dieses Zionismus gegenüber höchst kritisch zu sein. Besonders stark ist Moritz Heimanns Abneigung gegen die theoretischen und praktischen Begründer des Zionismus: „Das waren Führer von Menschen, die eine neue Sehnsucht, einen neuen Willen, ein neues Opfer darzubringen hatten und in ihrer Instinktlosigkeit nicht einmal ahnten, daß sie schon in dem Au> genblick widerlegt waren, als sie sich solche Führer nahmen." Der Feuilletonist Herzl, „der eine große Idee propagierte, aber dabei nicht aufhörte, seine netten Theaterstückchen zu schreiben", scheint ihm unerträglich. „Vielleicht muß der Zionismus erst alles Herzische aus sich herausschwärmen, ehe er wirklich in den Tiegel der Geschichte taugt." Groß und hinreißend scheint für Moritz Heimann — obwohl er sich vollkommen klar ist, daß zionistische Praxis schon rein quantitativ die Judenfrage keineswegs lösen kann — nur der Zionismus als Tat: „Der Zionismus, Urbarmachung eines Stückes Erd- und Menschenbodens, Arbeit, Entsagung, Hingebung, Vertrauen und verschwenderische Saat in die Zukunft — es gehört schon die grinsende Verwesung dazu, andere Gefühle gegen ihn zu haben und zu erweisen als die der bewundernden, verehrenden, helfenden, nacheifernden Teilnahme." Wo konnte nun aber für Moritz Heimann die Grundlegung und Zielsetzung solcher Praxis und eines lebendigen, d.h. handelnden, schaffenden Judentums überhaupt liegen? Nicht im Begriff des jüdischen Volkes, „das lehrt die nicht aufzuhebende Zerstreuung". Nicht in der Rasse: die scheint ihm „eine Bedingung des Lebens, nicht sein Ziel". So bleibt nur die Religion. Mit ihr hat es Moritz Heimann sehr ernst gemeint. Er lehnte zwar, wie erwähnt, die starren, fertigen Formen der Orthodoxie ab; und von der „Reform" meint er, dieser Versuch sei „lächerlich, phantasie- und kraftlos, Geist und Stern-verlassen". Aber er fügt hinzu: „immerhin ist sie ein Versuch, ja sogar der einzige Versuch, jüdische Religionsgemeinschaft zu erwecken". Er war also der Meinung, daß hier, an der Umbildung und Neubildung des jüdischen Gemeindelebens, mit viel tieferen Kräften und höchstem Ernst gearbeitet werden müsse, um Religion wieder zu einer führenden Macht auch des westjüdischen Lebens zu machen: „Die Einheit der Juden durch Religion liegt nicht in der Vergangenheit; sie ist eine Aufgabe; eine Aufgabe auch als Form — vielleicht als Kirche." Über solche Andeutung hinaus hat Moritz Heimann nirgends ausgeführt, wie er es mit der religiösen Erneuerung des Judentums im Sinne hat. Aber wir dürfen wohl glauben, daß diese Gedanken seine heimlichen Stunden tief und oft bewegt haben. Dieser skeptische Schriftsteller war ein zutiefst frommer Mensch, er hatte seine Heimat für alle Paradoxien des Lebens und des Geistes in dem zweigesichtigen Gott: „Gott- Welt, dessen kein Ende und Ziel ist, in dem ich getragen werde gegen Wissen und Willen, schwindelnd über den Abgründen, und Gott-Vater, an dessen Hand ich in Ziel und Zufriedenheit ruhe, gegründeten Standes und heiter." Julius Bab 319

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