Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1935)
- Article
- Das klassische Land der jüdischen Assimilation: Skandinavien
- Date
- 1935-09-01
- Page
- 301 (sequence 4)
- Language
- German
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Felix Gut: Jakob Picard gewidmet rtpf. Cfx-f Vor der Synagoge von G... lag seit undenk- U&i KIOJ liehen Zeiten ein dicker, knorriger Baumstamm längs der zur Dorfstraße gehenden Mauer. Da setzten sich die Alten hin, wenn die Zeit zum Morgen¬ oder Abendgebet noch nicht gekommen war, rauchten ihre Pfeifen und besprachen die Gemeindeangelegenheiten, bis der alte Synagogendiener, der immer stand, das Zeichen zum Erheben gab, indem er mit einem Knüppel dreimal auf den alten Baumstamm schlug. Dann zogen die Alten hintereinander durch die Synagogentür, wobei der zuerst Eintretende die Schedim, das sind Dämone, (Fortsetzung von Seite 300) dem Warenhandel und Geldgeschäften von den Juden 37o/0, von der Gesamtbevölkerung 2lo/0. Unter den freien Berufen (Ärzte, Rechtsanwälte, Künstler) gab es unter den Juden 13o/0, unter der Gesamtbevölkerung llo/0. Der Drang zur Selbständigkeit ist bei den Kopenhagener Juden genau so stark wie sonst in der jüdischen Welt. Beim Handwerk gab es an Unternehmern bei der Gesamtbevölkerung 13,8o/o, bei den Juden dagegen 39,6 0/0. Noch drastischer sind die Verhältnisse auf dem uralten jüdischen Gebiete der Konfektion. So war unter allen berufstätigen Juden jeder fünfte Jude Schneider; wollte man alle Schneider Kopenhagens auf einen Platz zusammenberufen, so wäre jeder zehnte Jude. Für Dänemark bezeichnend ist jedoch: es haben sich keine Gegensätze herausgebildet, die das wirtschaftliche Leben der Juden irgendwie störend beeinflussen. Es ist auch nicht anzunehmen, daß es auf diesem Gebiete in naher Zukunft zu Schwierigkeiten kommen wird. Inwieweit allerdings eine eventuelle Krisenverschärfung die wirtschaftliche Position der skandinavischen Juden beeinflussen würde, kann erst die Zukunft zeigen. Da es in keinem der nordischen Länder eine „jüdische Gasse" gibt, da ferner in der Gemeinde keine machtpolitischen Gegensätze von Bedeutung vorhanden waren und sind, ist die Zusammenarbeit der beiden Gruppen — der Eingesessenen und der Eingewanderten — etwa auf dem Gebiete der Berufsumschichtung mit Bezug auf Palästina überaus harmonisch und erfolgreich. Ohne mit Parteikämpfen belastet zu sein, konnte die Gesamtheit der skandinavischen Juden in den Dienst des Palästina-Werkes gestellt werden. Auf diesem Gebiete wird unter der Führung der zionistischen Gruppe und mit der Unterstützung der Gemeinde eine dänische Hachscharah unterhalten, die zu den besten in der Welt gehört. 301