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Der Morgen · 1935-08-01 · Heft 5 (August 1935) · p. 239

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 5 (August 1935)
Article
Englische Philosophie der Gegenwart [Rezension]
Date
1935-08-01
Page
239 (sequence 1)
Language
German
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Englische Philosophie der Gegenwart Der Wunsch nach einer Darstellung der englischen Philosophie der Gegenwart ist durch das Werk von Rudolf Metz, Philosophische Strömungen der Gegenwart in Großbritannien (2 Bände, Verlag Meiner, Leipzig 1935) in erfreulicher Weise durch entsagungsvolle Arbeit erfüllt. Behandlungen gegenwärtiger Philosophien sind eine dornige Angelegenheit. Da es wirkliche Geschichte nur vom Vergangenen gibt, so müßte man sich, streng genommen, auf das endgültig Abgeschlossene beschränken. Damit jedoch entglitte einem das eigentlich Gegenwärtig- Lebendige. Will man aber dieses ergreifen, so setzt man sich der Gefahr aus, von nicht voraussehbaren Entwicklungen einzelner Denker überrascht zu werden, zu fixieren, was nur Übergang ist und dabei das augenblicklich Wirksame entgegen dem noch Verborgenen zu überschätzen, ganz abgesehen davon, daß man gezwungen ist, zur Stufe zu machen, was sich selbst als absolut setzen möchte. Rudolf Metz weicht diesen Gefahren dadurch aus, daß er weder eine Einleitung noch einen Schluß gibt, sondern in mögüchst objektiver Weise, ganz hinter der Sache zurückstehend, eine Bestandsaufnahme der englischen philosophischen Literatur etwa seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts vollzieht. Vorzüge und Schwächen seines Werkes sind in dieser deskriptiven Einstellung begründet. Die Bestandsaufnahme erfolgt im Sinne der „Classification des doctrines" und zwar derart, daß als wesentliche Einteilung der jüngeren Strömungen die in Idealismus und Realismus erscheint, wobei sich an den Idealismus Theismus und Religionsphilosophie, an den Realismus, Pragmatismus und die an den exakten Wissenschaften (Mathematik, Naturwissenschaften, Psychologie) orientierten Richtungen anschließen. Es ist hier nicht der Ort, über Schönheitsfehler dieser Klassifikation mit dem Autor zu streiten; (es ist z. B. schwer begreiflich, weshalb zweimal Theismus und Religionsphilosophie auftreten oder weshalb J. St. Mill nicht innerhalb des Positivismus seine wesentliche Stelle findet). In der Erschließung von neuem Material leistet das Buch unersetzliche Dienste. Wer selbst in verschiedenen Ländern gelebt hat, der weiß, wie langsam die geistige Kommunikation zwischen den Völkern vonstatten geht und wie zufällig die Auswahl dessen erfolgt, was übersetzt wird. Dieses Werk macht mit einer Fülle von Denkern bekannt, die in Deutschland im wesentlichen unbekannt sind. Wer kennt bei uns, um willkürlich einige herauszugreifen, Simon Somerville Laurie (1829—1909) mit seinem grotesk interessanten Gedanken, daß Gott selbst an seiner Schöpfung leide, daß er sich selbst in Verlegenheiten befinde und darum menschlicher Mithilfe bedürfe, wer Douglas Fawcett (geb. 1869), für den die schöpferische Phantasie den Urgrund aller Dinge bildet, wer E. Beifort Bax (1854—1926), der, von der Antithese, vom Logischen und Alogischen ausgehend, dem Irrationalen eine höhere Dignität verleiht? 239

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