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Der Morgen · 1935-08-01 · Heft 5 (August 1935) · p. 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 5 (August 1935)
Article
Presseschau [Nachricht] / h. c.
Date
1935-08-01
Page
234 (sequence 3)
Language
German
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kern rechne, aber ganz unverzeihlich sei es, „wenn heute noch ein Literaturgeschichtsschreiber in Heine einen Helfer auf dem Wege aus der bürgerlichen Welt in die des bewußt Volkhaften erblicke. Beweis: Heines zum Volkslied gewordene Lorelei. Das ist alles Unsinn: Paul Fechter, der ihn schreibt, weiß nicht, daß das Lied nicht weniger als 42mal komponiert worden ist, ohne daß das Volk die geringste Notiz davon genommen hat, daß also die Popularität desselben einzig auf das Konto der Silcherschen Melodie kommt! Ganz so wie manche Gedichte Goethes durch echt volkstümliche Komposition zu Volksliedern geworden sind..." h. c. * Die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" tritt mit ihrem neu erschienenen Heft 1 in das sechste Jahr ihres Erscheinens. Eine Fülle des Wissenswerten wird im Rahmen streng methodischer Untersuchungen hier geboten. Ob Heymann Chone mit seiner Arbeit „Zur Geschichte der Juden in Konstanz" das in den Einzelheiten noch sehr im Dunkeln liegende Gebiet der Juden in der Wirtschaft des Mittelalters erhellt, ob Raphael Strauss in scharfer, aber sachlicher Polemik die Methode des jungen Historikers Wilhelm Grau auf seinem Spezialgebiet, der Geschichte der Regensburger Juden, kritisiert, ob Fritz Pinkus in seiner Abhandlung über „Saul Ascher" einen Beitrag zur Geistesgeschichte der Judenemanzipation gibt, — es ist, um nur einiges aus der Fülle des in dem Heft Gebotenen herauszugreifen, ohne den Wert der übrigen Arbeiten herabsetzen zu wollen, eine Fülle von Wissensbereicherung und Anregung. Dem Referenten sei aber eine Bitte an die Herausgeber gestattet. Wäre es nicht möglich, in jedem Heft eine bibliographisch einwandfreie systemati- Zusammenstellung der Neuerscheinungen und Zeitschriftenliteratur als unbedingt notwendiges Hilfsmittel und als Voraussetzung für jedes weitere historische Arbeiten zu bringen? Ernst Fraenkel Stadt, Volk und Gott in der Dichtung Goldschlags Nicht durch die mächtigen Wälder ziehen wir, Sondern durch die mächtigeren Städte. Walt Whitman. Will man der Leistung und dem künstlerischen Range eines Dichters gerecht werden, so wird man sich zunächst an diejenigen Partien seines Werkes halten, in denen seine Begabung sich am ursprünglichsten, in eigener Tönung, vernehmen läßt. Wo kam bei einem deutsch-jüdischen Lyriker wie George A. Goldschlag, den ein ailzufrüher Tod nicht zur Reife — um nicht von „Vollendung" zu sprechen — kommen ließ, die originale Note zum Vorschein? Nehmen wir die posthume Ausgabe seiner Gedichte zur Hand, die, mit einem feinsinnigen Vorwort Manfred Swarsenskys versehen, im Vortrupp-Verlag, Berlin erschienen ist, und wägen wir die einzelnen Teile des schmalen Bandes gegeneinander ab, so spüren wir uns am stärksten von den in der Mitte 234

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