Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 5 (August 1935)
- Article
- Perspektiven der geistigen Entwicklung Palästinas
- Date
- 1935-08-01
- Page
- 231 (sequence 3)
- Language
- German
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Perspektiven der geistigen Entwicklung Palästinas bei den ernsten Bühnen „Habimah" und „Ohel" als bei dem politischen Kabarett des „Matate". Auch einige neue dramatische Studios, die sich gebildet haben oder im Entstehen sind, zeigen eine zeitnähere Richtung. Gemeinsam ist dem gesamten jüdischen Theaterleben Palästinas die eine Not, daß ihm der jüdische Stoff, das jüdische Drama fehlt. Dies aber mag, ähnlich wie das Fehlen einer jüdischen Plastik, so tiefe Ursachen haben, daß eine Wandlung nicht leicht eintreten wird. All diese verschiedenen Erscheinungsformen geistigen Lebens finden sich natürlich nicht in einem politisch oder sozial leeren Raum, sondern stehen unter zwingenden Bedingungen, wie sie ein im schnellsten Tempo besiedeltes Kolonialland eben darbietet. Der ungeheuer beschleunigte Prozeß der kapitalistischen Durchdringung, in dem das Land steht, läßt an und für sich die Kulturfrage als ein Bedürfnis zweiten oder dritten Grades erscheinen. Anderseits verlangen die aufeinanderstoßenden Gegensätze zwischen alten Traditionswerten und modernen Lebensbedürfnissen, zwischen europäischen Produktions- und Lebensformen und einem zum Teil subtropischen Klima, zwischen zwei Völkern sehr verschiedenen Lebensniveaus — um nur einige zu nennen — dringend eine geistige Besinnung. Diese könnte und müßte, klärend und zusammenfassend, von der höchsten geistigen Institution des Landes, von der Hebräischen Universität in Jerusalem ausgehen. Betrachten wir nunmehr, im Rahmen der hier dargestellten geistigen und kulturellen Problematik, den Arbeitsplan, den Dr. Magnes aufgestellt hat, so werden wir erkennen, daß er den wichtigsten der drängenden Fragen gerecht zu werden versucht: er berücksichtigt die Bedürfnisse des Schulwesens wie die des gesellschaftlichen Lebens einschließlich seines landwirtschaftlichen Unterbaus und seiner technischen Werkzeuge, die Erwachsenenbildung wie die politische Schulung, die Schaffung des wissenschaftlichen jüdischen Buches wie die Sammlung und Klärung des jüdischen Geistesgutes und seine Fruchtbarmachung für diese unsere Zeit und unsere Aufgaben. Der Plan selbst sieht für die Jahre io,35—ig4o folgende Maßnahmen der Universität vor: i. Ausbau des Biologischen Instituts zu einer Fakultät für Naturschaftlichen Versuchsstation. 6\ Ingenieurschule zusammen mit dem Technikum. 7. Volkshochschule der Universität und Fortbildungskurse für auswärtige Akademiker. 8. Recht und öffentliche Verwaltung. 9. Ausbau des Universitätsverlages. 10. Eine jüdische Akademie, mit der Universität als Zentrum. Hoffentlich werden die „nächsten fünf Jahre" aus diesem Dokument eine Wirklichkeit machen. „Denn von Zion geht die Lehre aus und Gottes Wort von Jeru- 3. 4. 5. 2. salem." 231