Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 5 (August 1935)
- Article
- Betrachtungen und Bekenntnisse
- Date
- 1935-08-01
- Page
- 217 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Werner Cahnmann: An die Sobeide von Hofmannsthal Wenn das Leben einen Sinn hätte, das wäre ebenso furchtbar, als wenn wir ihm keinen gäben. Auch auf dem vollsten Glas schwimmt noch das Blütenblatt einer Rose; und auf dem Blütenblatt haben zehntausend Engel Platz. 5 Aus dem Nachlaßbande „Die Spindel", in der zum zehnten Jahrestag von Moritz Heimanns Tod der Verlag S. Fischer eine Auswahl seines gedruckten und ungedruckten Werkes herausbringen wird. Werner Cahnmann: An die Sobeide von Hofmannsthal Zum Todestag des Dichters am 15. Juli Kind, ich weiß, es lag ein groß Verlangen Dir um Deine Stirne, als Du gingst. Leicht bist Du und stolz dahingegangen, Bis du schwer in dunklen Netzen hingst. Kind, ich war allein in meinen Räumen, Niemand, nur Erinnern war bei mir. Abends, unter hohen Gartenbäumen, Blickt ich nach den Sternen und nach Dir. Kind, ich weiß, es brennen rohe Worte. Tiefer noch brennt uns die eigne Scham. Ach, so fühl es doch, an meiner Pforte War kein einziger Stein Dir jemals gram. Kind, wie gerne nähm' ich Deine Hände In die meinen, die Du einst verschmäht. Ich wär* still. Und bis zum späten Ende Wär' ich nur ein Segel, das sich bläht. Diesen Versen müssen einige Bemerkungen hinzugefügt werden. Die Sobeide von Hofmannsthal ist kein Mädchen, das unter uns lebt, sondern eine zarte Gestalt aus einer der zauberisch schönsten Dichtungen des jungen Hugo von Hofmannsthal: „Die Hochzeit der Sobeide". Der Inhalt des kleinen Schauspiels ist der, daß 217