Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 5 (August 1935)
- Article
- Ekstatische Wanderung
- Date
- 1935-08-01
- Page
- 215 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Heimann: Betrachtungen und Bekenntnisse Verstäubtes Saatkorn bin ich, Wurzel, Stamm, Erblühter Zweig, um den Samtkäfer schwärmen Und goldgeperlt er Falterbräutigam. Zu Duft und Farben ist erwacht die Aue, Die Lüfte sind betörend wie noch nie, Erfüllt vom Rausch der kündenden Gesänge, Ich künde mit in trunkner Agonie. III. O Wald, du kühles Sonnenruhland, Du Tempel heiligster Schalmein! Es schwelgen meine Harfenpsalmen Zu deinem Bässerausch und Benedein. Wenn ich im Wirbeltanz der Blätter Beschüttet bin mit braunem Laub, Dann flamm' ich wie die Eberesche, Die ihre Beeren trägt als Vogelraub, Und die es will, daß fern ihr Samen Zerspringt, zerplatzt und Wurzel treibt. Sturm trage meine Andachtsschauer Aus dunkler Tiefe, denn ich zeuge Gottes Namen. Moritz Heimann: Betrachtungen und Bekenntnisse Wie „theologisch" die Materialisten denken — sie glauben an Gott und wehren ihn deshalb lärmend ab: nämlich sie glauben, daß jenseits des Ringes der menschlichen Erkenntnis schon „Gott" anfängt, und sträuben sich mit Händen und Füßen gegen die Durchbrechung und Erweiterung des Ringes. Aber jenseits ist immer auch nur der Mensch, noch lange, lange. Ein bewiesener, eindeutiger Gott — der erst würde uns auf rasende Weise fragen lassen: Warum? Wie ja denn auch alle, die, sei es aus Fürwitz, sei es aus Trotz, ein solches „Warum" auf den Lippen und im Herzen tragen, an einen höchst persönlichen Gott, wenn auch nur zu diesem Zwecke, glauben. Wir aber fragen: Wie? und nichts weiter. 215