Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 11 (1935-1936)
- Issue
- Heft 5 (August 1935)
- Article
- Umschau
- Date
- 1935-08-01
- Page
- 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau Partei. Die 100 863 Schekalim, die in Deutschland abgesetzt wurden, bürden dem Zionismus größere Verantwortung auf. Es ist falsch, wenn in willfährigen Statistiken diese Zahl so gedeutet wird, daß sich nunmehr jede dritte Familie in Deutschland zum Zionismus bekenne. Selbst wenn man die recht vage und wenig beweiskräftige Familienrechnung übernimmt, so würde sie nicht mehr besagen, als daß in Deutschland der Wunsch nach Mitbestimmung über die palästinensische Entwicklung den Rahmen der zionistischen Partei gesprengt hat. Denn dieser Wunsch ist geboren nicht nur aus positivem Aufbauwillen, sondern aus Not und Sorge und viel unbestimmter negativer Sehnsucht nach Veränderung. Trotz klarer Erkenntnis der Unzulänglichkeit des bisherigen Wahlmodus ist es auch diesmal aus vielen Gründen nicht gelungen, die Wahlen des nicht-zionistischen Teiles der J ewish Agency auf ein Prinzip zu begründen, das ebenso allgemein zugänglich wäre wie das des Schekels. Wieder ging die Wahl dieser Delegation in exklusiven Gremien vonstatten. Weder im Stadium der Vorbereitung noch in dem des Vollzugs vermochte sie in das Bewußtsein der jüdischen Öffentlichkeit tiefer einzudringen. So bedeutete der Erwerb des Schekels nach wie vor das einzige sichtbare und allgemein zugängliche Symbol des Bekenntnisses zu einem werdenden Neuen. Es fehlt infolgedessen eine Möglichkeit, die Zahl der Parteizionisten von der der nicht-zionistischen Anhänger des Palästinawerkes in Deutschland zu unterscheiden. Auf diese Tatsache muß hingewiesen werden. Nicht, um aus gruppenegoistischen Gründen irgendwelcher Art zionistische Erfolge zu verkleinern. Sondern um der Delegation der 34 deutschen Zionisten die Tatsache vor Augen zu führen, daß sie sich in Luzern als Treuhänderin eines wesentlichen Teiles der deutschen Judenheit zu fühlen hat. Dem Schritt vom Kleinzionismus zum Großzionismus innerhalb der Partei muß ein Schritt aus der Partei in die gesamt jüdisch e Verantwortung folgen. Diese Forderung, so abstrakt und ideologisch sie klingen mag, umfaßt höchst praktische und konkrete Inhalte. Sie weist vor allem aus der verkrampften unfruchtbaren Situation von Führungsansprüchen und Dezernatsschacher in eine gereinigte Atmosphäre innerjüdischer Solidarität, die wir 1933 zu besitzen glaubten und an der wir auch 1935 noch nicht verzweifeln wollen. Die Erhebung über den zionistischen zum jüdischen 195