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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 185

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
[Rezension]
Date
1935-07-01
Page
185 (sequence 2)
Language
German
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öffnet über Graus Methode die Augen. Er berechnet die Zahl der Regensburger Juden um 1475 auf rund 400 Seelen unter 6000 Einwohnern. Das sind nach Adam Riese rund7o;0) jeder fünfzehnte Einwohner ist ein Jude. Bei Grau (S. 20) aber sind es „zirka 15<>/o. Auf 7 Christen traf ein Jude!" (alle Sperrungen stammen vom Verf.). Dieser Irrtum ist charakteristisch für das ganze Buch, besonders für die zahlreichen Widersprüche zwischen den Quellen und den daraus gezogenen Folgerungen. Das ganze erste Kapitel über „die Judengemeinde in Regensburg" (S. 3—20) ist darauf angelegt, die Juden in Regensburg als fremdartig, rätselhaft und unheimlich darzustellen, die Judenstadt als die gewaltige unbekannte Festung innerhalb der Stadtmauern. Dabei erzählt Verf., daß die Juden bereits vor den Bajuwaren in der Stadt wohnten (S. 4), daß die christlichen Handwerker, besonders ihre Frauen, erwachsene Kinder und Gesellen sehr häufig in die Häuser der Juden kamen (S. 35 ff.), daß die Juden viele Käufer anlockten (S.41), daß der Rat Polizei und Gerichtsbarkeit in der Judenstadt ausübte (S. 111) — woraus klar folgt, daß das Judenviertel nicht so ganz unbekannt gewesen sein kann. Auch die Bedeuttung des Judenmeisters1) wird ins Unheimliche übertrieben, wenn er neben den Bischof und den Rat gestellt wird, während in Wirklichkeit J) Dieser Vorsteher, der so mächtig sein soll, wird mit dem „Schulklopfer", d.h. dem Synagogendiener, dem untersten Beamten der Gemeinde, identifiziert (S. 10) und der Hammer, der zum Schulklopfen seine Machtbefugnis so eng begrenzt war! Und die Juden selber und gar erst ihre Rabbiner werden als der Ausbund aller Schlechtigkeit dargestellt (S. 10 ff., 13 f.), als ob die Regensburger Bürgerschaft und Geistlichkeit aus lauter Engeln bestanden und durch ihre lautere Tugend das Recht zur Vertreibung der Juden erworben hätte. Der Schwerpunkt der Anklage aber liegt im Gebiet des Wirtschaftslebens. Grau weiß zwar, daß das Judenproblem „nur e i n Ausschnitt aus der großen allgemeinen sozialen Unruhe jener Jahrzehnte" ist, aber das hindert ihn nicht, den Juden alle Schuld aufzuladen. Direkte Wunder wirtschaftlicher Vielseitigkeit werden dieser kleinen Gemeinde, die noch dazu verarmt ist (vgl. S. 53), nachgesagt; neben einem ausgedehnten Geldhandel, der den Kaiser, die böhmischen Grundherren und einen Teil der Bürgerschaft beherrschen soll, kann sie ausgedehnten Grundbesitz erwerben und obendrein noch umfangreichen Warenhandel betreiben! Und dieser Warenhandel — das ist eine neue Entdeckung! (S. 49 ff.) — trägt den Charakter des Warenhauses. Man vergleiche diese Regensburger Händler, die, wie es der Zufall fügt, da oder dort einen Gegenstand erwerben, zurecht machen oder „auf Neu" aufarbeiten, ihn dann in wenig geräumigen und behaglichen Gewölben ihres Viertels zum Verkauf anbieten, mit dem wohl assortierten, diente, mit dem Schofar (S. 176, Anm.52)! Nicht bessere Kenntnis jüdischen Wesens verrät es, wenn gesagt wird, daß die Juden ihre Toten am Sabbat beerdigen (S. 8) — was bekanntlich verboten ist! 185

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