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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 178

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Die Israel-Quellen bei Tacitus
Date
1935-07-01
Page
178 (sequence 4)
Language
German
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M. Y. Ben-Gavriel sprachen, waren in der alten Welt natürlich ihrem Inhalte nach nicht unbekannt geblieben. In der argwohnreichen Kaiserzeit konnte diese Formel leicht Verdacht wecken. War Israel etwa die irdische Weltherrschaft anstelle Roms verheißen? Verfiel nicht auch Jesus von Nazareth dem staatsrömischen Strafrecht um deswillen, weil im Prozeß vor Pilatus ihm nachgewiesen war, daß er der „König der Juden" sei, — der erste Schritt zur jüdischen Erdenherrschaft? Da mögen dann wohl allerdings beschwichtigende Schriftdeutungen folgende Wege eingeschlagen haben: Nur keine Sorge um eure römische Weltherrschaft! Israel ist kein Volk der „Stärke (Macht)", griechisch „rhome" und in dieser Form im Altertum gern mit „Roma" vertauscht; es ist auch kein Volk des cn (rem), d.i. des Stiers, als Symbol der Stärke, oder, was dasselbe besagt, des ns (par Stier), sondern nur ein Volk des „K~2" (pere'), d. i. des (Wild-)Esels. — Man beachte auch hier wieder, bei ausfallender Vokalisation, das Spiel mit den Buchstaben r und m einerseits wie p und r andererseits. Nun brauchte nur noch ein Grund für die angebliche göttliche Verehrung des Esels plausibel gemacht und bewiesen zu werden, daß sie den Stier (s. Apis) geradezu verachteten. Nicht umsonst daher wohl auch der wunderliche Bericht, daß das Rind bei den Israeliten geschlachtet werde, um Ägypten zu kränken. Sonderbar genug; denn überall in der antiken Weit wurden Rinderopfer gebracht, ohne daß man dennoch auf Seiten anderer Völker darin eine Verhöhnung Ägyptens gesehen und jenen daraus einen historischen Vorwurf gemacht hätte. Noch etwas anderes spricht für eine ägyptische Quelle der ganzen Fabel. Der Wildesel ist nämlich in der ägyptischen Mythologie das Tier des Typhon-Set, des bösen Osiris-Bruders, der — ebenso wie Esau! — den Beinamen „der Rote" führt. Die Juden teilen mit der ganzen antiken Welt den Haß und die Verachtung dieses Tieres: noch in der späteren rabbinischen Literatur wird Esau als „störrischer Wildesel" bezeichnet. Ihnen aber gar eine Verehrung dieses Tieres anzudichten, mußte im ganzen ägyptischen Kulturkreis als schwerste Kränkung wirken. M. Y. Ben-Gavriel: Prosperity und die Idee des Zionismus Aus der ursprünglichen, zwar auch rrcht nur geistig, aber doch elbisch, und religiös-messianisch fundierten Palästinabewegung hat sich ein Bündel von politischen Parteien entwickelt. Dieses unerhört bunte und ziemlich agile Spiel aller nur möglichen Kräfte unter dem Sammelnamen Zionismus hat natürlich mit dem, was seinerzeit in Basel unter diesem Namen zum erstenmal als einheitlicher Körper sich manifestierte, wenig zu tun. Ebenso breit ist die Front der ökonomischen Gegensätze, die mehr oder weniger alle heute in der Welt existierenden wirtschaftlichen Schulen vom exzessiven Hochkapitalismus bis zu dem — wohl nur in Palästina existierenden — praktischen und freiwilligen Kommunalismus der Gruppen, die man als Kwuzöth kennt, einschließt. Die wie in jeder Bewegung eingetretene Differenzierung hat innerhalb einer kurzen Zeit- 178

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