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Der Morgen · 1935-07-01 · Heft 4 (Juli 1935) · p. 160

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Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 4 (Juli 1935)
Article
Das Ringen des deutschen Judentums um jüdische Gemeinschaft
Date
1935-07-01
Page
160 (sequence 13)
Language
German
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Fritz Heinemann in der Geschichte des Menschengeschlechtes in die Erscheinung tritt, zu beschreiben. Man ist zunächst wie betäubt von der Fülle der Inhalte, die sich als Erscheinungsformen des Geistes anbieten. Wie kann diese disparate Fülle vereinigt werden? Und doch ist es ein Geist, der durch diese Erscheinungsformen als durch seine Gestalten hindurchfließt und sich in diesem Fließen selbst akzentuiert. Da aber dieses sein Grundstreben auf nichts anderes als auf das Wesen, auf sich selbst, auf das Absolute gerichtet ist, so ergibt sich daraus, daß alle genannten Gestalten nur auf ihren Erkenntnisgehalt hin interpretiert werden. Alles, was sich darbietet, eine Plastik oder eine Revolution, Krieg, philosophisches System, religiöser Brauch, Verhältnis von Herr und Knecht — alles wird auf die Wahrheit hin ausgelegt, die in ihm erscheint. Nur als verschiedene Momente einer einzigen Wahrheit oder als Stufen des Bewußtseins, das zur Wahrheit wandert, können sie begriffen werden. Hegels Phänomenologie ist als Darstellung des Erscheinungsreiches des Geistes Ausdruck des Zur-Erscheinung- Kommens der absoluten Wahrheit (vom Objekte aus gesehen) und Beschreibung des Weges zur Wahrheit als Stufen der Gewißheit (vom Subjekte her betrachtet). Oder wenn es gestattet ist, Hegel selbst in seiner eigenwilligen Sprache das Wort zu geben: seine Phänomenologie ist „der Weg des natürlichen Bewußtseins, das zum wahren Wissen dringt, . . . oder . . . der Weg der Seele, welche die Reihe ihrer Gestaltungen, als durch ihre Natur ihr vorgesetzte Stationen, durchwandert, daß sie sich zum Geiste läutere, indem sie durch die vollständige Erfahrung ihrer selbst zur Erkenntnis dessen gelangt, was sie an sich ist". Das ist das Wichtige, daß die unüberschaubare Fülle der Erscheinungen durch die in genialer Weise umgestaltete Idee der Wahrheit in einen einzigen Kosmos zusammengefaßt wird. Wie durch ein Prisma wird durch (Schluß von Seite 159) verband vorhandenen Theologen positiver Richtung stellt. Es handelt sich nicht bloß um Formulierungen, obwohl auch die wichtig genug genommen werden müssen, sondern es handelt sich um die ganze Praxis, die — um nur das Wichtigste zu nennen — die gottesdienstliche Ordnung, die Durchformung des jüdischen Hauses, die Organisation des jüdischen Lernens, die Zurückführung der jüdischen Jugend an ihren Ort in der jüdischen Gemeinschaft betrifft- Die Auseinandersetzung des religiös-liberalen Judentums mit dem jüdischen Gesetz, die heute nach Zurückstellung politisch liberaler und aufklärerischer Ideologien durch Konfrontierung mit den zuständigen religiösen Gedanken erst innere jüdische Auseinandersetzung wird, ist das große Thema, das heute die besten Köpfe und die tiefsten Seelen des Judentums anziehen wird. 160

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